BirdLife International ist die offizielle Institution für die Einstufung der Vögel in der weltweiten Roten Liste der internationalen Naturschutzunion IUCN. BirdLife International präsentiert die aktualisierte Rote Liste. Prominent figurieren Zwischenerfolge beim Schutz der Rosentaube auf Mauritius, des urtümlich anmutenden Waldrapps in Marokko sowie einiger weiterer Arten. Viele andere Arten mussten jedoch in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft werden oder erlitten anderweitig eine weitere Verschlechterung ihres Erhaltungszustands. Die Gründe für den schlechteren Erhaltungszustand sind insbesondere die Abholzung tropischer Wälder, die illegale Verfolgung und die industrialisierte Landwirtschaft.

„In zwei Jahren werden die Regierungen die Erreichung der 2010 beschlossenen Aichi-Ziele überprüfen. Darunter ist auch das Ziel, das Aussterben weiterer Arten zu verhindern und den Status der gefährdeten Arten zu verbessern, insbesondere der am stärksten rückläufigen Arten“, sagt Dr. Stuart Butchart von BirdLife International. „Gezielte Schutzmassnahmen können Arten zu Bestandserholungen verhelfen, aber der Gesamttrend ist negativ und zeigt, dass es noch mehr Anstrengungen braucht, um solche Erfolge zu replizieren.

Zwischenerfolg im marokkanischen Waldrapp-Projekt, auch dank der Schweiz

Der urtümliche Waldrapp stand seit Jahrzehnten am Rand des Aussterbens. Der Waldrapp war einst auch in der Schweiz häufig, doch für Jäger gab er ein beliebtes Ziel ab. Nachdem die Art in Syrien verschwunden ist, gibt es weltweit nur noch ein kleines wildlebendes Vorkommen in Marokko. Das absolute Bestandsminimum erreichte die Art in den 1990er-Jahren. 1994 starteten BirdLife-Partner und das marokkanische «Hochkommissariat für Wasser, Wald und den Kampf gegen Desertifikation» ein Projekt zugunsten der Art. Seit 2013 unterstützt BirdLife Schweiz das Projekt finanziell. Vom absoluten Minimum mit rund 50 Brutpaaren erholte sich die Art nach und nach wieder. In den letzten Jahren zählt der Bestand jedes Jahr mehr als 120 Paare und erreichte sogar den Höchststand in jüngerer Zeit von 147 Paaren. Dies ist ein äusserst wichtiger Zwischenerfolg, der die Beteiligten mit grossem Stolz erfüllt.

Es mag erstaunen, dass eine Art, deren weltweiter Bestand zwischen 120 und 147 schwankt, jetzt auf der Roten Liste bereits eine Stufe tiefer eingeteilt wird, nämlich als „stark gefährdet“ (englisch „endangered EN“) statt „vom Aussterben bedroht“ („critically endangered CR“). Dies hängt mit den strengen quantitativen Kriterien zusammen, die von der internationalen Naturschutzunion IUCN für alle Tier- und Pflanzenarten einheitlich vorgegeben werden, um das unmittelbare Aussterberisiko einzuschätzen.

Der Waldrapp ist weiterhin weltweit bedroht und die Schutzbemühungen in Marokko dürfen kein bisschen nachlassen. Aber die stetige Zunahme seit 20 Jahren zeigt, dass die marokkanischen Behörden den Schutz der Art ernst nehmen und gemeinsam mit den BirdLife-Partnern ein professionelles und wirkungsvolles Projekt aufgebaut haben„, sagt Dr. Raffael Ayé von BirdLife Schweiz. Dies gilt es weiterzuführen und wo nötig zu verstärken.

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