Für die Viehhaltung müssen riesige Waldflächen abgerodet und Weideflächen geschaffen werden. Etwa eine Milliarde Bäume werden jedes Jahr gefällt. Die Tiere scheiden zusätzlich das klimaschädliche Treibhausgas Methan aus. Dazu kommt, dass in vielen Länder gigantische Mengen an Tierfutter importiert werden müssen. All das kostet wahnsinnig viele Ressourcen und trägt schliesslich zum Klimawandel bei.

Zur Erzeugung von einem Kilo Fleisch müssen bis zu 16 Kilo Nahrungsmittel an Tiere verfüttert werden. Statt diese Lebensmittel erst durch Tiere zu jagen, könnte man damit direkt viel mehr Menschen ernähren. Ausserdem verbraucht dieser Umweg riesige Anbauflächen, die sich besser nutzen liessen.

60 Kilogramm Fleisch isst der Durchschnittsdeutsche im Jahr. In der Schweiz sind es 50 Kilogramm Fleisch. Und das bleibt nicht ohne Folgen: Krebserkrankungen, Schlaganfälle, Herzversagen und Typ-2-Diabetes nehmen zu. Als Korrektiv schlagen Forscher nun eine hohe Fleischsteuer vor. Wie die Forscher in der Studie schreiben, die in der Fachzeitschrift „Plos One“ erschienen ist, sterben jedes Jahr mehr als zwei Millionen Menschen an den Folgen ihres Fleischkonsums. Tendenz steigend: 2020 sollen es schon 2,4 Millionen Tote sein.

Ein angepasster Steuersatz auf tierische Produkte ermutigt Verbraucher eher dazu, zu pflanzlichen Grundnahrungsmitteln zu greifen. Dadurch werden auch Tierleben geschont, die Umwelt und das Klima entlastet und die eigene Gesundheit positiv beeinflusst. In Grossbritannien, Frankreich und Mexiko wurden vor wenigen Jahren Steuern auf zuckerhaltige Limonaden eingeführt. Mexikaner kauften daraufhin tatsächlich weniger ungesunde Flaschen. Mit den Einnahmen wird kostenloses Trinkwasser in Schulen finanziert.

Wie teuer muss ein gesundheitsschädliches Produkt sein, damit Konsumenten weniger davon kaufen oder komplett die Finger davon lassen? Bei Zigaretten und Alkohol wurde in den letzten Jahren schon hart durchgegriffen. Insbesondere die Preise für Tabak wurden stark angehoben. Der Konsum ist zurückgegangen. Ein Forscherteam der Universität Oxford plädiert nun in einer neuen Studie dafür, Fleisch wesentlich höher zu besteuern. Dadurch sollen der Fleischverzehr unattraktiver und Gesundheitsrisiken verringert werden. Am Ende würden so Leben gerettet und langfristig Milliarden Euro gespart werden, schreibt der stern.de.

Die Fleischeslust geht ins Geld, auch für die Allgemeinheit. Die Studie rechnet vor, dass dieser Fleischkonsum weltweit jährlich zusätzlich 285 Milliarden Dollar an Gesundheitskosten verursacht.

Der Studie des Forscherteams um Marco Springmann liegt die Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugrunde, dass verarbeitetes Fleisch (auch Wildbret)  – zum Beispiel in Form von Würstchen, Speck oder Brotaufstrich – wie Zigaretten, Arsen oder Asbest eindeutig krebserregend ist. Ausserdem berufen sich die Forscher auf die 2015 herausgegebene WHO-Einschätzung, dass auch unverarbeitetes rotes Fleisch – also beispielsweise vom Rind, Schwein oder Schaf – als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wird.

Bei verarbeitetem Fleisch sind die Resultate dramatisch“, sagt Marco Springmann von der Universität Oxford, Leiter der Studie. „Speck ist eines der ungesündesten Nahrungsprodukte überhaupt“, so Springmann weiter. „Niemand will Regierungen vorschreiben, was sie ihren Bürgern zu essen erlauben. Aber die Kosten der Gesundheitsversorgung als Folge des Verzehrs von rotem Fleisch werden nun mal von der Gesamtheit aller Steuerzahler getragen. (…) Die persönliche Entscheidung rotes Fleisch zu konsumieren belastet die öffentlichen Mittel aller. Es geht nicht darum, Menschen etwas wegzunehmen, es geht um Fairness.

Steuer für verarbeitetes Fleisch müsste um 166 Prozent steigen

Vegetarischer Burger

Dass der Fleischkonsum auch ohne Steuer zurückgehen kann, beweist die Schweiz. Seit vier Jahren ist der Pro-Kopf-Konsum rückläufig.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Fleischersatzprodukten.

Doch wie lassen sich der hohe Fleischverzehr und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken minimieren? Die Verfasser der Studie verfolgen in ihrer Untersuchung einen marktbasierten Ansatz. Sie haben einen optimalen Steuersatz für rotes und verarbeitetes Fleisch für insgesamt 149 Regionen der Erde errechnet. Die Anzahl der Todesfälle könnte mit einer Fleischsteuer um 220.000 pro Jahr gesenkt werden. Ausserdem könnten nach Ansicht der Forscher die Kosten in der Gesundheitsvorsorge um bis zu 36 Milliarden Euro minimiert werden. Um das zu erreichen, müssten im weltweiten Durchschnitt die Steuern für verarbeitete Fleischwaren um 25 Prozent steigen, für nicht verarbeitetes rotes Fleisch müssten die Steuern um vier Prozent steigen. Für sogenannte „high income countries“ wie die USA oder Europa wäre der Anstieg sogar noch wesentlich extremer. Hierzulande müsste die Steuer für verarbeitetes Fleisch um fast 166 Prozent angehoben werden. Für unverarbeitetes Fleisch von Rind, Schaf und Schwein wären es etwas mehr als 28 Prozent. (Hier können Sie die Daten der Studie einsehen.)

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