Das neuste Luchsmonitoring von Kora, dem Schweizer Kompetenzzentrum für Raubtierökologie und Wildtiermanagement zeigt, dass in der Nordostschweiz die Dichte des Luchsvorkommens im Vergleich zur letzten Erhebung leicht angestiegen ist. Am Tössstock gibt es mehr Luchse, im Gebiet Speer, Churfirsten, Alvier hingegen weniger.

An 70 Standorten in der Nordostschweiz wurden im letzten Winter während 60 Tagen je zwei Fotofallen aufgestellt. In rund der Hälfte fanden sich Aufnahmen von Luchsen. Das Referenzgebiet Nordostschweiz umfasst 932 Quadratkilometer in vier Kantonen.

In den Kantonen St. Gallen, Zürich, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden wurden mit Fotofallen Aufnahmen der scheuen Beutegreifer gesammelt. Danach werteten Forscher die Bilder aus. Aufgrund der charakteristischen Fellmuster konnten sie auf den Fotos 17 selbständige Luchse und acht bis zehn Jungtiere aus fünf verschiedenen Würfen identifizieren.

Aus den gesammelten Daten rechnete Kora eine Luchsdichte von 2,53 Tieren je 100 Quadratkilometer hoch. Der Wert sei im Vergleich zur letzten Erhebung vom Winter 2014/15 nochmals leicht angestiegen, heisst es in einer Mitteilung.

Bereits im vorherigen Winter zeigten Luchse im Oberland grössere Aktivitäten. Im Jahr 2017 brachte es der Luchs B132 gar zu internationaler Bekanntheit. Das im Tössstockgebiet geborene Tier wurde im italienischen Trentino eingefangen. Es hatte über 200 Kilometer zurückgelegt. Mit Hilfe eines Tierarztes legten Wildhüter dem Luchs ein neues GPS-Halsband an und nahmen Blut- und Haarproben für die genetische Analyse. Nach 40 Minuten wurde «B132» wieder freigelassen.

«B132» gilt als besonders interessant für die Wissenschaft: Er habe auf seiner Wanderung den längsten Weg zurückgelegt, der jemals für einen Luchs in den Alpen dokumentiert wurde, heisst es.

Wie die Forscher betonen, seien allerdings nach dem Monitoring zwei der nachgewiesenen Luchse gestorben und einer für ein Umsiedlungsprojekt gefangen worden. Dabei handelt es sich um das Luchsweibchen B315. Es wurde am 8. April 2018 nahe Goldingen eingefangen und in den Pfälzerwald umgesiedelt. B315 erhielt mit der Umsiedlung den Namen Jara.

Ausblick Schweiz

2017 kam es laut KORA, der Fachstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, die im Auftrag des Bundes die Zahlen erfasst, zu 30 Luchs-Verlusten. 2010 waren es erst zehn gewesen. Der Rekord von 2017 kam zwar auch zu Stande, weil einige Tiere umgesiedelt wurden. Dennoch ist der Trend klar: Die Zahl der toten Luchse steigt – genau wie bei den Wölfen.

Was steckt hinter dieser Entwicklung? «Die steigende Zahl der Verluste ist ein Ergebnis davon, dass wir immer mehr Grossraubtiere im Land haben», sagt der Fridolin Zimmermann von KORA. 2010 lebten laut Schätzungen von KORA noch rund 130 selbständige Tiere – also solche, die älter als ein Jahr sind – in der Schweiz. Die jüngste Schätzung beläuft sich bereits auf rund 200 Tiere. Ähnlich verläuft die Entwicklung bei den Wölfen: In den letzten zwei Jahren wurden 43 genetisch identifiziert. Vor neun Jahren waren es über 24 Monate noch lediglich 11 gewesen.

Es ist erst ein paar Tage her, dass in Appenzell Innerrhoden ein junges Luchsweibchen erlegt werden musste. Das Tier war stark abgemagert und apathisch. Und es war, obwohl erst ein paar Monate alt, ohne seine Mutter unterwegs. Gerade im Herbst tauchen laut Luchs-Experte Zimmermann immer wieder verwaiste Jungtiere auf. Sie werden von der Mutter zurückgelassen, weil sie zu schwach sind. Oder sie verlieren ihre Mutter, weil diese gestorben ist – zum Beispiel, weil sie Opfer von Wilderern wurde. Rund 16 Prozent der bisher insgesamt gefundenen Luchse sind ihnen zum Opfer gefallen, wobei die Dunkelziffer hoch ist. Häufigste Todesursache sind Verkehrsunfälle; sie sind für jeden dritten Verlust verantwortlich.

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