Jedes Jahr passieren tausende Wildunfälle. Besonders vorsichtig sollten Autofahrer in den Kantonen Jura, Graubünden und Freiburg sein – dort ist das Risiko deutlich höher als in anderen Regionen.

Dank Präventionsmassnahmen passieren immer weniger Unfälle auf unseren Strassen. Nicht so bei Wildunfällen: Die Zahl der Unfälle mit Tieren auf Schweizer Strassen ist seit Jahren gleichgeblieben. Allein der Axa werden jedes Jahr 3’000 Wildunfälle gemeldet. Das Risiko für einen Wildzusammenstoss ist jedoch nicht überall gleich gross, wie ein Blick auf die Schadenstatistik der Axa zeigt.

Wildunfall im Jura neunmal häufiger als in Genf

In den Kantonen Jura, Fribourg und Graubünden ist die Wahrscheinlichkeit, mit einem Tier zusammenzustossen, bis zu neunmal höher als im Kanton Genf und rund viermal höher als in den Kantonen Zürich oder Tessin„, sagt Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung und Prävention bei der Axa.

Tier-/Wildschadenfrequenz (in Promille)

Grafik Wildunfälle Schweiz

Grafik Wildunfälle Schweiz – Datenquelle und Diagramm: Axa (Basis: sämtliche bei der Axa gemeldeten Wildunfälle im Jahr 2017 nach Kanton)

Die Gefahr eines Wildunfalls besteht grundsätzlich zu jeder Tages- und Jahreszeit. „Besondere Vorsicht ist jedoch im Oktober, November und Dezember geboten. Denn wenn die Tage kürzer werden, sind Wildtiere häufiger zur gleichen Zeit unterwegs wie Autofahrerinnen und Autofahrer. Zudem ist es im Morgen- und Abendverkehr dunkel, weshalb man Tiere auf der Fahrbahn oft erst spät sieht„, so Bettina Zahnd. Im Morgen- und Abendverkehr und besonders bei Waldabschnitten und Warnschildern sollten Autofahrer daher die Geschwindigkeit anpassen und jederzeit bereit sein zu bremsen, rät die Axa-Unfallforscherin.

Die Kollision mit einem Tier kann schon bei moderater Geschwindigkeit eine erhebliche Wucht entwickeln. Jedes Jahr kommen Tausende Rehe und Hunderte Rothirsche und Wildschweine im Strassenverkehr ums Leben. Für den Menschen gehen die Zusammenstösse zwischen Auto und Wild zwar meist glimpflich aus, gleichwohl wurden gemäss Bundesamt für Statistik im letzten Jahr 78 Personen bei Tierunfällen leicht bis schwer verletzt, 2016 waren es 74. „Selbst wenn man selber unbeschadet bleibt, so sitzt der Schock, ein Tier verletzt oder getötet zu haben, oft sehr tief„, sagt Bettina Zahnd.

Bei Kollisionsgefahr: Vollbremsung

Springt ein Wildtier tatsächlich überraschend vor das Auto, ist sofortiges Bremsen angesagt, wie die Unfallforscherin erklärt. „Eine Vollbremsung ist seit ABS auch bei rutschigen Strassen die beste Lösung. Damit kann Energie abgebaut werden, sodass die allenfalls folgende Kollision weniger heftig ist.“ Bettina Zahnd empfiehlt, in solchen Situationen nicht zu heftige Lenkbewegungen zu machen. „Dank ABS ist es aber möglich, auch während der Vollbremsung kontrollierte Lenkbewegungen vorzunehmen„, sagt sie.

Tipps der Axa Unfallforschung & Prävention, um Wildunfälle zu vermeiden

  • Nehmen Sie Verkehrsschilder mit dem Hinweis auf Wildwechsel ernst und schützen Sie damit Wildtiere und sich selbst vor Unfällen.
  • Fahren Sie auf Landstrassen und in Waldgebieten besonders achtsam. Reduzieren Sie die Geschwindigkeit, vergrössern Sie den Sicherheitsabstand und behalten Sie den Wald- und Feldrand im Blick.
  • Schalten Sie, wenn möglich die Scheinwerfer ein, damit Sie Wildtiere möglichst frühzeitig sehen.
  • Sobald ein Wildtier am Strassenrand auftaucht: sofort bremsen, abblenden und, falls das Tier sich nicht entfernt, hupen. Achten Sie dabei auf den nachfolgenden Verkehr.
  • Seien Sie gewappnet für weitere Wildtiere am selben Ort. Die Tiere sind oft im Rudel unterwegs. Das bedeutet: Wo eines ist, sind auch andere, denn sobald das Leittier flüchtet, folgt meist das Rudel nach.

Was tun, wenn es zur Kollision mit einem Wildtier kommt?

  • Halten Sie an und sichern Sie die Unfallstelle (Warnblinker, Pannendreieck)
  • Benachrichtigen Sie die Polizei (Tel. 117): Wildunfälle müssen in der Schweiz von Gesetzes wegen gemeldet werden. Die Polizei zieht wenn nötig weitere Spezialisten (Wildhüter, Jäger, Tierarzt) hinzu
  • Warten Sie auf die Polizei und versuchen Sie nicht, sich dem Tier zu nähern
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