Indemini – 1868 gab es in Zürich ein erstes – zwar vergebliches – Begehren von Zürcher Frauen um aktives und passives Wahlrecht anlässlich einer kantonalen Verfassungsrevision in Zürich.

Der Kampf der Wegbereiterinnen dauerte über 100 Jahre. Erst am 7. Februar 1971 nehmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht für Frauen an.

Am westlichen Ende der Schweiz, im Kanton Genf wurde am 19. Mai 1974 ein Jagdverbot für Hobby-Jäger implementiert. Rund zwei Drittel der Stimmenden sagten damals Ja zum von Tierschützern geforderten Jagdverbot. Der Staat reguliert seither die Welt der Wildtiere und füllt seine Kassen nicht mehr mit Blutgeld von den Hobby-Jägern.

Das Jagdverbot in Genf war eine Sensation und weckte auch weit über den Kanton hinaus grosse Aufmerksamkeit. Für die Jagdwelt war es ein Schock – und ist es bis heute. Denn das Beispiel Genf beweist, dass es – auch in der dicht besiedelten Kulturlandschaft – ohne Hobby-Jäger geht, ja, dass es Natur und Tieren mit Wildhüter sogar viel besser geht und dass auch die Menschen davon profitieren.

Initiative Wildhüter statt Jäger

Im Kanton Zürich wurde noch nie eine Initiative angenommen, bei der im Vorfeld alle Parteien dagegen waren. Bei einer tiefen Stimmbeteiligung von 39,7 Prozent wurde das Begehren „Wildhüter statt Jäger“ der Tierpartei am 23.9.2018 im Kanton Zürich abgelehnt. Nur 16.1 Prozent bzw. 56’709 haben die Volksinitiative angenommen. 294’595 Stimmende haben sie abgelehnt.

Das Resultat liegt zum einen daran, dass die Seite der Tierausbeuter mit alternativen Fakten und Kaffeesatzlesen Wahlkampf machte und dafür viel Geld investierten. Zum anderen, dass sich kaum eine Politikerin oder ein Politiker bzw. Journalistin und Journalist sich sachlich, zum Beispiel vor Ort in Genf, informierte. Dann wäre es ein Leichtes gewesen, die Fake News der Hobby-Jäger oder des Regierungsrates zu zerpflücken. Das richtige Lesen und Verstehen des Initiativtextes ggf. Nachfragen bei den Initianten hätte wohl auch schon gereicht.

Wie Papageien plauderten alle im Chor die Fake-News der Hobby-Jäger von Einzäunung des Kantongebietes oder sich selbst überlassenen Wildtierbestände, die sich selber, anhand von Seuchen, Verkehrsunfällen oder Hungertod regulieren sollen, nach. Obwohl dies weder in der Stadt Zürich noch im Kanton Genf mit den Wildhüter der Fall ist.

Die Hobby-Jäger-Banden haben sich gegen die Wildhüter gewehrt, wie der Teufel gegen das Weihwasser.

Im Kanton Genf funktioniert das Wildhüter-System seit über 44 Jahren und gilt international in Fachkreisen als Vorbild. In Genf gab es früher über 400 Hobby-Jäger. Heute machen die gleiche Arbeit 11 Wildhüter, die sich drei Vollzeitstelen teilen und nur eine Vollzeitstelle wird überhaupt für regulatorische Zwecke, sprich letale Gewalt aufgewendet. Niemand will den Lebensraum der Wildtiere unnötig einschränken. Zudem springen Rehe locker über temporäre Litzenzäune. Auch im Kanton Zürich könne Wildhüter einen Pikettdienst für Wildunfälle organisieren, so wie es heute schon im Kanton Zug und Genf vollzogen wird. Im Kanton Bern braucht es dazu auch keine Hobby-Jäger. Der Kanton Genf hat heute die höchsten Feldhasenbestände in der ganzen Schweiz. Offensichtlich haben Wildhüter eine ganz andere Motivation, als die Risikogruppe Hobby-Jäger. Wildhüter praktizieren auch keine tierquälerischen Jagdmethoden wie die Baujagd, Treibjagd usw. Wildhüter sind nüchtern im Dienst. Wildhüter gehen mit 65 in Pension. Wer für mehr Sicherheit, Artenschutz, Biodiversität, Tierschutz, Ethik usw. ist, konnte eigentlich nur JA stimmen.

Es ist kaum vorstellbar, dass die Zürcherinnen und Zürcher plötzlich tierquälerische Jagdformen wie die Baujagd und die Treibjagden unterstützen. Dass, die Umwelt unnötigerweise mit hoch toxischer Munition verunreinigt wird oder das Landschaftsbild mit Abschussrampen verunstaltet wird. Wildhüter schiessen auch nicht zum Spass auf Fuchs, Enten, Singvögel und Co. nur, weil jetzt Jagdzeit ist. Umfragen in den letzten Jahren haben immer wieder gezeigt, dass jagdliche Tätigkeiten, wie die Baujagd oder Treibjagd vom überwiegenden Teil der Bevölkerung abgelehnt wird und die Jagd ökologischer und tierfreundlicher gestaltet werden soll.

Sanitarische bzw. therapeutische Abschüsse der Wildhüter sind nicht das Gleiche, wie eine regulatorische Bejagung anhand des Jägerlateins oder falsch verstandener Naturerfahrung.

Hobby-Jäger können niemand glücklich machen, wie es sich Jahr für Jahr an den enormen Schadensmeldungen zeigt. Wildtiere leben in ständiger Angst vor den Hobby-Jägern. Wildtiere mögen keine Hobby-Jäger. Das Leid der armen Tiere fällt als unschöne Reaktion früher oder später auf die menschliche Gesellschaft im Kanton Zürich zurück. Von den Hobby-Jägern, kam keine Selbstkritik.

Die Genfer hingegen zahlen gerne für Wildhüter, weil sie es schätzen, dass sie lebende Tiere bei ihren Spaziergängen in freier Natur antreffen. Dieser Eindruck ist wissenschaftlich bestätigt. Der Kanton stellte in einer Langzeitstudie eine starke Zunahme der Biodiversität fest.

Tierschutz Initiativen

Wenn es ums Tierwohl geht, entscheidet das Stimmvolk seltsamerweise bei Initiativen gewöhnlich gegen den Tierschutz. Vor allem, wenn das zeitgemäss Gute auch noch etwas kosten könnte. So wurde an jenem Sonntag auch die „Fair-Food-Initiative“ wuchtig verworfen. Die Befürworter der Initiativen hatten die guten und ethischen Argumente, die Gegner wieder viel Geld, aber kein Mitgefühl und viel Egoismus. Der Faktor Geld obsiegte gegen die guten Argumente, was ein moralisches Armutszeugnis ist.

Wir alle wünschen uns, dass Tiere artgerecht gehalten werden. Trotzdem landen Eier und Fleisch aus industrieller und quälerischer Massentierhaltung in den Regalen unserer Supermärkte. Die Fair-Food-Initiative will keine Lebensmittel aus tierquälerischer Produktion. Und mit einer transparenten Deklaration der Produktionsweise können sich  Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkauf für mehr Tierwohl entscheiden.

Haushalte mit höheren und tieferen Einkommen lehnten die Fair-Food-Initiative laut einer Nachbefragung gleichermassen deutlich ab. Das klar stärkste Argument für eine Ablehnung der Vorlage war, die Angst vor steigenden Lebensmittelpreisen.

Gegen die Initiative «Für Ernährungssouveränität» sprach aus Sicht der Stimmbürger ebenfalls das Preisargument.

Allen Initianten der verschiedenen Initiativen waren Pioniere und ihre Anliegen von guter Natur. Wie 1868, als gutmütige Frauen in Zürich für das Wahlrecht anfingen zu kämpfen.

Artikel Tagesanzeiger
Füchse und Rehe als Volkstherapie
Fakten statt Jägerlatein: Initiative Wildhüter statt Jäger
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Pressekonferenz Jagd Zürich
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