Die Munition, die von Hobby-Jägern verwendet wird, verursacht eine ungeahnte Kontamination der Ökosysteme durch Blei und stellt ein Risiko für die Umwelt und die menschliche Gesundheit dar. Dies ist das wichtigste Ergebnis eines Expertenberichts, der am 12. September von der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlicht wurde.

Die Belastung durch die Tonnen Blei, welche die Jäger in der Natur zurücklassen, ist Ökoterror. Die europäische Chemikalienagentur schätzt, dass 21’000 Tonnen Blei wegen der Jagd in den Ökosystemen verstreut sind. Die ECHA befürchtet dadurch zum einen die schleichende Kontamination des Grundwassers, zum anderen akute Vergiftungen bei Wildtieren. Dementsprechend soll die Bleimunition in oder an Gewässern („Wetlands“) nicht mehr eingesetzt werden dürfen.

Die Verteilung dieser Kontamination in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist nicht genau bekannt, aber Frankreich macht offensichtlich den Löwenanteil aus: etwa ein Viertel der rund 5,2 Millionen europäischen Jäger sind Franzosen.

Ein Gift

Die Auswirkungen auf die Umwelt betreffen hauptsächlich Wildtiere. ECHA schätzt auf „vorsichtige“ Weise, dass jedes Jahr zwischen ein und zwei Millionen Vögel wie Rebhühner oder Fasane an Bleivergiftungen sterben. Entweder durch direkte Aufnahme von Bleikügelchen oder durch sekundäre Kontamination bei Raubvögeln.

Bleimunition ist auch eine besonders grausame Form der Jagd. Verletzte Tiere leiden nebst ihren Wunden an einer langsamen Vergiftung. Finnland, Dänemark und die Niederlande haben solche Munition längst verboten.

Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall. Es wirkt sich auch beim Menschen höchst negativ auf den Blutkreislauf aus und kann akute oder chronische Vergiftungen hervorrufen, besonders nach dem Konsum von Wildbret.

Blei lagert sich ausserdem langfristig in den Knochen ab. Bei einer chronischen Bleiexposition reagieren bei Erwachsenen die Nieren am empfindlichsten, bei Kindern bis sieben Jahren das Nervensystem. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet. Eine erhöhte Bleibelastung kann beim Konsum von Wildbret zu irreversiblen Nervenschäden, zu Störungen der Hirnfunktionen und zur Beeinträchtigung der Intelligenz führen.

Da die Bleiaufnahme über andere Lebensmittel schon relativ hoch ist, reicht der regelmässige Verzehr von mit Bleimunition geschossenem Wildfleisch aus, die Gesundheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu gefährden. „Ein erhöhtes Risiko besteht bei Verbrauchergruppen, die wöchentlich Wild verzehren, insbesondere in Jägerhaushalten“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Besonders gefährdet sind Ungeborene und Kinder bis sieben Jahre, bei denen bereits eine geringe Bleiaufnahme zu Gesundheitsschäden führen kann.“ Deshalb sollten kleine Kinder, Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch möglichst kein mit Bleimunition erlegtes Wild essen.

Wildschwein, Reh und Hirsch gehören zu den am höchsten mit Blei belasteten Lebensmitteln. Die Geschosse verformen oder zerlegen sich beim Aufprall, Bleipartikel und feinste Bleisplitter lösen sich und dringen tief in das Fleisch ein. Sie sind dort kaum zu erkennen. Das Schwermetall ist hochgradig schädlich und reichert sich im Organismus an.

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