Noch ist es nicht Donald Trumps Bemühungen zum Opfer gefallen, in seinen Augen unnütze Kosten für Umwelt- und Tierschutz einzusparen: Das forensische Labor des US-amerikanischen „Fish and Wildlife Service“, der dem US-amerikanischen Innenministerium untergeordneten Naturschutzbehörde, ist weltweit das einzige, kriminaltechnischen Vollservice leistende Labor zur Aufklärung von Verbrechen, die an Wildtieren verübt werden.

Artefakte Foto: Washington Post

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Einem ortsansässigen Chiropraktiker und seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass in Oregon, gleich nördlich der kalifornischen Grenze im kleinen Ort Ashland dieses Labor angesiedelt wurde. Ken Goddard, ein früher Tatort-Ermittler und ehemaliger Direktor eines kriminaltechnischen Labors in Südkalifornien, welches vor allem damit beschäftigt war, in der Wüste Leichen auszugraben, wie er selbst sagt, wurde im Jahr 1979 damit beauftragt, dieses forensische Labor aufzubauen. Es sei die Aufgabe seines Institutes nicht nur herauszufinden, ob die als Leichen, Teile oder Produktbestandteile angelieferten Tiere einem Verbrechen oder einem Unfall zum Opfer fielen, sondern oftmals auch, um zu klären, um welche Spezies es sich eigentlich handele. Tausende von Tieren werden so jedes Jahr untersucht, geröntgt, seziert, ihre Knochen gesäubert und letztendlich der schon gut 35.000 Beweismittel aller Arten umfassenden Sammlung einverleibt.

Wie Karin Brulliard in ihrem Bericht ausführt, sind Verbrechen, die an Wildtieren verübt werden, ein weltweites Milliarden-Dollar-Geschäft, von dem Experten befürchten, dass es noch weiter zunehmen wird. Wichtig beim Kampf gegen solche Verbrechen sei dieses forensische Labor, wo ein kleines Team von Wissenschaftlern DNA-Tests durchführt, Kugeln und Gifte und alle Arten von Todesursachen identifiziert und Überreste von Tieren mit jenen 35.000 Proben aus der Referenz-Sammlung des Labors vergleicht, einem schaurigen Sammelsurium an Beweismitteln, teils beschlagnahmt, teils gespendet, aus Fellen, Pelzen, Knochen, ganzen Skeletten, Federn und Tatzen. Gefrierschränke beherbergen die genetischen DNA-Proben zehntausender Tiere. Auch gestorbene Zootiere werden dem Labor zur Verfügung gestellt, um z. B. später nachweisen zu können, ob beispielsweise der geschmuggelten Kette aus Ameisenbären-Krallen ein Tier oder sogar mehrere zum Opfer fielen.

Der Stellvertreter von Direktor Goddards, Ed Espinoza, hat zahlreiche wissenschaftliche Durchbrüche erzielt in der Bestimmung verschiedener Arten von Elfenbein aber auch in der Bestimmung von Herkunft und Art seltener Hölzer – ebenfalls Objekte illegalen Handels. Biologen, wie Mitarbeiter Johnnie French, bereisen afrikanische Länder, um die dort arbeitenden Ranger mit kriminaltechnischen Techniken vertraut zu machen, um die Wilderer von Nashörnern und Elefanten ermitteln zu können.

Zu zahlreichen Verurteilung haben die Untersuchungen schon geführt, aber die Kriminologen brüsten sich nicht mit diesen: Die Darlegung der Fakten ist das, was für sie zählt. Die Untersuchung der Todesursache eines jungen Steinadlers, des Wappentieres der Vereinigten Staaten, irgendwo tot aufgefunden und von Bundesagenten ins Labor gebracht, könnte den Verdacht bestätigen, das geschützte Tier sei durch einen Stromschlag an einer Hochspannungsleitung gestorben – ein Verfahren gegen das Versorgungsunternehmen könnte die Folge davon sein.

Doch mit solchen Ermittlungen ist es nicht getan. Die insgesamt 34 Mitarbeiter bearbeiten nicht nur innerstaatliche Kriminal- und Verdachtsfälle, sondern betreiben auch das offizielle Labor für CITES, das Washingtoner Artenschutz-Abkommen, welches von 178 Nationen unterzeichnet wurde zum Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Direktor Goddard, mit 72 Jahren immer noch im Dienst seines forensischen Institutes, betrachtet seine Tätigkeit als eine Arbeit, die seinem Leben erst richtig Sinn verliehen habe. Und nebenbei liefert sie auch den Stoff für seine Nebenbeschäftigung: dem Schreiben von Kriminalromanen.

Immerhin wissen sie, dass oft genug Übeltäter auch überführt und zum Beispiel Pestizid-Täter dann teilweise mit drastischen Strafen belegt werden. Ein Farmer in Montana musste beispielsweise 1000 Dollar (860 Euro) zahlen, weil er ein Schaf vergiftet hatte – dadurch starben nicht nur drei Kojoten, sondern auch ein Falke und ein Seekopfadler, die von dem Schaf frassen.

Und in Wisconsin wurden 2014 zwei Männer sogar zu einer Strafe von 100 000 Dollar verknackt, weil durch ihre Taten mehr als 70 Wildtiere ums Leben kamen.

Der komplette Bericht in englischer Sprache ist nachzulesen bei The Washington Post.

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