Kein Kuscheltier, aber auch keine wilde Bestie: Höchste Zeit für echte Lösungen für ein möglichst konfliktfreies Miteinander – Österreich braucht ein rechtskonformes Wolfsmanagement.

Kann der Wolf durch Vergrämung oder Abschüsse wieder scheu gemacht werden? Wie realistisch ist ein wolfsfreier Alpenraum? Die Naturschutzorganisation WWF Österreich räumt mit Vorurteilen und Stammtisch-Parolen rund um den Wolf auf und macht den Mythen-Check.

Unlängst war in einer österreichischen Tageszeitung zu lesen, dass vor fast 300 Jahren Kinder auf dem Schulweg „vom Wolf zerrissen“ wurden und es „nur eine Frage der Zeit“ sei „bis der Wolf bei uns wieder auf den Menschen geht“. Diese und ähnliche Schauermärchen werden von einzelnen Politikern und Bauernvertretern bewusst geschürt, um von der eigenen Verantwortung für ein konfliktarmes Miteinander zwischen Mensch und Wolf abzulenken.

Daher fordert der WWF Österreich eine Rückkehr zur Sachlichkeit und ein rechtskonformes Wolfsmanagement. Panikmache hilft niemandem weiter – am allerwenigsten den betroffenen Landwirten, die viel stärker unterstützt werden müssen. „Politik und Behörden müssen ihrer Informationspflicht stärker nachkommen, endlich eine Herdenschutzoffensive starten und dürfen unsere Bauern nicht allein im Regen stehen lassen. Auch Landwirtschaftskammer und Bauernbund sind gefordert, vom Panik- in den Arbeitsmodus zu kommen“, fordert Christian Pichler, Wolfsexperte der Naturschutzorganisation.

Mythos 1 – Schreckschüsse oder Gummigeschoße werden dem Wolf wieder Respekt einflössen

Vergrämung ohne sachgerechten Herdenschutz ist nicht erfolgversprechend. Verzichtet man auf Herdenschutz, was etwa in Niederösterreich bis auf wenige Ausnahmen der Fall ist, dann lernt der Wolf, dass ungeschützte Schafe eine leichte Beute darstellen. Folglich wird er sich auch durch gelegentliche Schreckschüsse nicht davon abhalten lassen, sein Glück bei der nächsten ungeschützten Herde zu versuchen. Er kann ja nicht zwischen „erlaubter“ und „unerlaubter“ Beute unterscheiden. Richtig angewendeter Herdenschutz sorgt dafür, dass Wölfe von Beginn an Weidetiere meiden und Wildtiere erbeuten, weil sie beispielsweise einen Stromschlag bekommen oder sie ein Herdenschutzhund vertreibt.

Vergrämung ist erst dann sinnvoll, wenn es einem Wolf gelingen sollte, mehrmals fachgerecht angewendeten Herdenschutz zu überwinden. Genau so ist dies auch im geltenden Managementplan Wolf – den das Land NÖ und die Landwirtschaftskammer selbst mitgestaltet haben – vorgesehen. Im Jahr 2017 wurden in ganz Österreich insgesamt 21 Schafe vom Wolf gerissen; heuer sind es zwar mehr, aber im Vergleich dazu sterben im Jahr mindestens 8.000 Schafe durch Krankheit, Blitzschlag, Absturz oder etwa auch, weil verletzte Tiere in nicht betreuten Herden zu spät bemerkt werden.

Mythos 2 – Der Wolf muss durch Abschüsse scheu gemacht werden, es braucht „wolfsfreie Zonen“

Die gezielte regionale Bejagung von Wölfen zur Schaffung von „wolfsfreien Zonen“ widerspricht eindeutig dem EU-Naturschutzrecht, wie sowohl EU-Umweltkommissar Karmenu Vella als auch Umweltministerin Elisabeth Köstinger bereits klargestellt haben. Auch naturschutzfachlich ist dieser Vorschlag realitätsfern und höchst problematisch. Einerseits kann sich ein Wildtier nicht an Bundesländergrenzen halten, andererseits ist der Wolf eine weit wandernde Tierart, die in relativ kurzer Zeit halb Europa durchqueren kann. Für „wolfsfreie Zonen“ bei uns müsste man also tatsächlich tausende Wölfe in den Alpen und in einem 1.000-Kilometer-Radius darüber hinaus töten.

Fakt ist auch: Die Entnahme einzelner Wölfe ist bereits jetzt erlaubt, wenn wiederholt Weidetiere trotz sachgemäss angewendeter Schutzmassnahmen angegriffen werden. Selbstverständlich rechtfertigt auch ein – begründeter – Verdacht, dass ein Wolf für Menschen gefährlich werden könnte, rechtlich einen Abschuss. Erstens steht die Sicherheit des Menschen an oberster Stelle, zweitens gefährden auffällige Tiere die Akzeptanz der ganzen Art und könnten ihr Verhalten außerdem an den Nachwuchs weitergeben.

Mythos 3 – Ein Wolf hat Schafe gerissen, jetzt ist er ein „Problemwolf“, der abgeschossen werden muss

Ein Wolf der ungeschützte Schafe erbeutet, ist noch kein „Problemwolf“. Er verhält sich nicht einmal auffällig, sondern ähnlich „normal“ wie ein Hund, dem man eine Knackwurst vor die Nase hält. Der Wolf  frisst von Natur aus das, was mit dem geringsten Kraft- und Energieaufwand zu bekommen ist. Das ist in Österreich grossteils Wild (in erster Linie Hirsche, Rehe und Wildschweine), da dieses überreichlich vorhanden ist. Schafe sind nur eine Gelegenheitsbeute, vor allem dann wenn eine Herde ungeschützt steht.

Unter einem „Problemwolf“ versteht man ein Wildtier, das sich immer wieder absichtlich in die Nähe des Menschen begibt, um Futter zu suchen oder zu erbetteln, obwohl es rundherum genügend Wild gibt. Er hat verlernt, Scheu vor dem Menschen zu empfinden, was fast immer auf falsches menschliches Verhalten zurückzuführen ist. Wer einem Wolf beibringen will, zwischen „erlaubter“ (Wild) und „unerlaubter“ (Haus- bzw. Nutztiere) Beute zu unterscheiden, erreicht das nur durch sachgemäß angewendeten Herdenschutz. Deshalb fordert der WWF Österreich von den zuständigen Landesräten seit Jahren ein rechtskonformes Wolfs-Management samt Herdenschutz und angemessenen Entschädigungszahlungen für Landwirte.

Mythos 4 – Wölfe springen über Zäune und machen Herdenschutz wirkungslos 

Das ist falsch, weil Wölfe grundsätzlich nicht hoch springen. Bewährt haben sich etwa schon 90 Zentimeter hohe, dünne Zaunnetze, die Strom führen, aber auch Weidezäune, deren stromführende Litzen so verlaufen, dass Wölfe sie weder überwinden, noch darunter durchschlüpfen können. Wichtig ist daher die fachgerechte Installation. Bestehende Zäune wurden meist errichtet, um Nutztiere an der Flucht zu hindern, aber nicht um Wölfe am Eindringen zu hindern. Experten können beurteilen, ob bestehende Zäune etwa durch das Spannen zusätzlicher Stromlitzen adaptiert werden können. In Kombination können Herdenschutzhunde helfen, häufig reichen auch die Elektrozäune alleine aus. In Deutschland und in der Schweiz hat man mittlerweile Herdenschutz sehr gut im Griff und Österreich könnte sich etliches abschauen. Dabei gibt es keine 0815-Lösung, denn jeder Hof ist anders. Gerade deshalb ist gute Beratung essentiell und es ist die gesetzliche Pflicht der Behörden, endlich umfassend zu informieren und sich nicht hinter Stammtisch-Parolen zu verstecken!

Mythos 5 – Die Wölfe kommen immer näher an Siedlungen, die Gefahr steigt

Die Gefahr, in Österreich von einem Wolf angegriffen zu werden liegt nahezu bei null. Unser Land hat eine der höchsten Schalenwild-Dichten Europas und der Wolf findet genügend natürliche Beute vor. Dass der Wolf scheu ist bedeutet nicht, dass er „unsichtbar“ bleibt. Wolfsbeobachtungen können in Ländern mit großen Wolfsdichten, zu denen Österreich jedoch nicht gehört, durchaus vorkommen. So könnte ein Wolf – etwa auf einem Wanderweg – relativ nahe an Menschen vorbeilaufen, meist ohne dass diese das bemerken. Besonders die Jahrlinge, die „jugendlichen“ Wölfe im Alter bis zu zwei Jahren sind sehr neugierig und lernwillig. Sie könnten daher erst mal stehen bleiben, um zu beobachten, was passiert. Ein junger Wolf fühlt sich nicht unsicher oder ist extrem ängstlich, deshalb hat er keine Veranlassung, gleich davon zu sprinten. Wenn er die Situation für sich „abgeklärt“ hat, wird er sich umdrehen und weglaufen. Dabei handelt es sich um ein normales Wolfsverhalten ohne „angriffslustigen“ Hintergrund und dieses ist für Menschen nicht gefährlich.

Mythos 6 – Der Wolf muss abgeschossen werden, bevor er gefährlich wird

Gesunde Wölfe reagieren scheu und vorsichtig auf Menschen. Im Vergleich zu anderen wehrhaften Tieren wie Wildschweinen oder Kühen wird die Gefährlichkeit des Wolfes stark überschätzt bzw. wird von einzelnen Interessenvertretern Panikmache betrieben. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland (nach zwei Jahrzehnten derzeit 60 Familen, ca. 500 Wölfe) bzw. in die Schweiz (drei bis vier Familien, ca. 50 Wölfe) gab es keine einzige Attacke oder Verletzte. Weltweit gibt es einige Fälle, aber diese waren verbunden mit Krankheiten (Tollwut) oder menschlichem Fehlverhalten (beispielsweise Fütterung).

Im Gegensatz dazu kam es 2016 alleine in Österreich zu rund 3.100 spitalsbehandelten Verletzungen durch Hundebisse und werden pro Jahr rund 260 Personen bei Wildunfällen verletzt. Es gibt in keinem Bereich unseres Lebens hundertprozentige Sicherheit. Wer derart vor Bedrohungen Angst hat, dürfte theoretisch auch in kein Auto steigen, keine elektrischen Geräte einschalten oder keine Maschinen bedienen.

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