Kontaktlinsen belasten Weltmeere

Falsch entsorgte Kontaktlinsen vermüllen die Weltmeere: Werden sie in Toiletten oder Waschbecken herunter gespült, gelangen sie als Mikroplastik ins Meer, warnten Forscher auf einer Konferenz in der US-Stadt Boston.

Allein in den USA würden jährlich Milliarden Kontaktlinsen mit einem Gewicht von mindestens 20’000 Kilogramm im Abwasser landen, sagte Rolf Halden, Wissenschaftler der Arizona State University.

Halden wies auch darauf hin, dass der Verpackungsmüll der Kontaktlinsen weitere 13 Millionen Kilogramm ausmache. Der Umweltforscher widmete sich dem Thema aus eigenem Interesse: Als Kontaktlinsen-Träger habe er sich irgendwann die Frage gestellt, was eigentlich mit den entsorgten Sehhilfen passiert.

Einer Umfrage zufolge spülen 15 bis 20 Prozent aller Kontaktlinsen-Träger in den USA die kleinen Plastikteilchen ins Waschbecken oder die Toilette. Daraufhin gelangen sie in Kläranlagen, wo sie zwar auseinander fallen, sich aber nicht völlig zersetzen. Später gelangen die Kontaktlinsen dann als Mikroplastikteilchen meist ins Meer.

Was ist Mikroplastik genau?

Mikroplastik sieht man mit blossem Auge kaum. Und doch ist es unterdessen in unglaublichen Mengen vorhanden. Von den geschätzten 140 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren sind 99 Prozent Mikroplastik.

Für Mikroplastik gibt es keine allgemeingültige Definition. Gemeinhin werden Kunststoffteile als Mikroplastik bezeichnet, die kleiner als 5 Millimeter sind. Messen sie weniger als 0,1 Mikrometer (0,0001 Millimeter), laufen sie unter Nanoplastik.

Mikroplastik findet sich unterdessen auch in den Böden, im Wasser und gar in der Luft. Forscher haben berechnet, dass sich in der Stadt Paris jährlich bis 10 Tonnen Mikroplastik aus der Luft absetzen.

In der Schweiz waren Wissenschaftler von der hohen Mikroplastik-Konzentration im Tomasee überrascht, der Quelle des Rheins. Und selbst im unserem Trinkwasser findet sich unterdessen Mikroplastik.

Fische verwechseln Plastik mit Nahrung

Im Wasser verwechseln kleine Fische und Plankton Mikroplastik häufig mit Nahrung. Das ist nicht nur für die Tiere gefährlich, schlussendlich gelangen dadurch die kleinen Plastikteilchen auch irgendwann in menschliches Essen.

Die Forscher wollen mit ihrer Studie nach eigenen Angaben auch die Hersteller von Kontaktlinsen ansprechen – viel zu wenige würden auf ihrer Verpackung darauf aufmerksam machen, dass ihr Produkt über den Hausmüll entsorgt werden soll, kritisierten die Experten.

Wie gefährlich ist Mikroplastik?

Die Wissenschaft kommt den Auswirkungen von Mikroplastik auf unsere Umwelt erst langsam auf die Spur. Doch erste Studien geben alles andere als Entwarnung.

So sterben Salatsetzlinge ab, denen grosse Mengen an Plastik zugeführt werden. In Indonesien sind Muscheln von den hohen Mikroplastik-Konzentrationen im Meer derart gestresst, dass ihr Wachstum gestört ist. Und Regenwürmer ändern in stark belasteten Böden ihr Verhalten.

Wissenschaftler warnen: Mikroplastik sei in gewissen Weltregionen bereits eine grössere Gefahr als der Klimawandel.

Die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll betrifft einer deutsch-chilenischen Studie zufolge inzwischen selbst die entlegensten Regionen der Erde. «Besonders hohe Mikroplastik-Konzentrationen haben wir rund um die Osterinsel und in bis 2000 Kilometern Entfernung vor der chilenischen Küste gefunden», erläutert Hauptautor Martin Thiel von der Universidad Católica del Norte in Coquimbo in Chile. Die Osterinsel liegt im Südpazifik, Tausende Kilometer von Südamerika und Australien entfernt.

In der Fachzeitschrift «Frontiers in Marine Science» dokumentieren die Wissenschaftler, darunter Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, das Ausmass der Verschmutzung und den Einfluss auf das marine Ökosystem.

Bei 97 verschiedenen Arten habe man Kontakt mit Plastikmüll nachgewiesen – die Tiere waren entweder in dem Abfall verheddert oder hatten Plastik mit der Nahrung aufgenommen. Dies betraf unter anderem 20 Fischarten, 53 Seevögel-Spezies, 19 verschiedene Meeressäuger und 5 Arten von Meeresschildkröten.

Magen voller Plastikteile   

«In den Mägen finden sich alle möglichen Plastikfragmente, zum Teil in erschreckend hoher Konzentration», berichtet Ko-Autor Nicolas Ory vom Geomar. Diese Plastikteile beeinträchtigten oder schwächten die Lebewesen und könnten langfristig die Sterblichkeitsquote erhöhen. Massnahmen zur Reduzierung des Plastikmülls seien dringend geboten, mahnt das Team.

Die Forscher nahmen und analysierten Wasserproben auf mehreren Expeditionen im Südpazifik zwischen der Osterinsel und dem südamerikanischen Festland. Ausserdem werteten sie Berichte über marine Organismen aus, die sich in grösseren Plastikteilen wie beispielsweise alten Fischernetzen verfangen hatten.

«Das kommt häufiger in den küstennahen, stark befischten Regionen des Humboldtstroms vor, während wir im offenen Ozean eher sehen, dass Organismen kleinere Plastikteile verschlucken», betont Thiel. Die Studie zeige sehr deutlich, dass sich die Partikel im Bereich der subtropischen Wirbel konzentrieren, erläutert der deutsche Meeresbiologe, der seit vielen Jahren in Chile lebt und sich gegen die Verschmutzung der Ozeane engagiert.

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