Nachdem im Vorfeld zur Abstimmung vom 10. Juni 2018 für einen zweiten Nationalpark in der Schweiz militante Hobby-Jäger-Banden aus dem Tessin massiv gegen das Projekt geweibelt haben, hat der gesunde Menschenverstand sich nicht durchsetzen können.

Ende November 2016 hatten die Stimmberechtigten der Kantone Graubünden und Tessin bereits einen Nationalpark rund um das Rheinwaldhorn, den Park Adula, an der Urne verworfen. Auch damals waren die visionslosen Hobby-Jäger mehrheitlich dagegen und machten dementsprechend mit Angst und Lügen negativ Stimmung.

Der Nationalrat Fabio Regazzi (CVP) und Präsident der Tessiner Jäger-Banden (FCTI) mit rund 3’100 Jagdausübenden im Kanton, davon 700 im Nationalpark ansässigen, waren nun auch praktisch geschlossen gegen einen „Nationalpark Locarnese“ und somit gegen Innovation, Zukunftsperspektiven für die Jugend sowie Gemeinnützigkeit.

Diese militanten Hobby-Jäger-Banden sorgten im Vorfeld zur Abstimmung für aggressive und gehässigte Töne (Wild beim Wild informierte) und spalteten eine ganze Region und Gemeinschaft mit ihrem diffusen Gedankengut.

Die Schweiz erhält somit keinen zweiten Nationalpark, zumindest nicht in nächster Zeit: Im Kanton Tessin haben die Stimmbürger von acht Gemeinden mit 4’279 Nein Stimmen gegenüber 4’170 Ja Stimmen die Schaffung des „Nationalparks Locarnese“ abgelehnt.

Von den acht Gemeinden in der Region Centovalli und Valle Maggia votierten nur deren zwei für den Nationalpark, sechs waren dagegen. Damit liessen sie die involvierten Gemeinderäte im Regen stehen, sprachen sich doch im Vorfeld sämtliche acht Gemeindebehörden für die Schaffung eines Nationalparks aus. Für den Park sprachen sich Ascona und Bosco Gurin aus. Brissago, Centovalli, Losone, Onsernone, Ronco sopra Ascona und Terre di Pedemonte äusserten sich dagegen.

Bereits im äusserst leidenschaftlich geführten Abstimmungskampf hatte sich abgezeichnet, dass das Projekt an der Urne einen äusserst schweren Stand haben würde. Damit tragen die Hobby-Jäger einen Sieg davon. Sie hatten eine Ausweitung des Jagdverbots und andere Restriktionen befürchtet.

Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass sinnvolle Tier- und Naturschutzarbeiten im grossen Stil mit Hobby-Jäger nicht kompatibel sind,

resümiert Carl Sonnthal von der IG Wild beim Wild.

Der Nationalpark Locarnese wäre flächenmässig in etwa so gross wie der Kanton Zug gewesen. In der Region wird sich aus verschiedenen Gründen nie ein Massentourismus durchsetzen. Das Gebiet interessiert Menschen, die gerne wandern sowie die Natur- und Tierwelt respektieren.

Neben der Steigerung des Tourismus-Images der Region schätzte die Direktion des Nationalparks, dass in den nächsten 10 Jahren 250 bis 300 Millionen Franken durch die Schaffung von rund 200 direkten und indirekten Arbeitsplätzen hätten generiert werden können.

«Es ist gut für die Natur und die Umwelt, aber auch für die Dörfer und Talschaften, denn es gibt ihnen eine Zukunft», sagte Elvio Della Giacoma, Gemeindepräsident von Brissago im Vorfeld zur Abstimmung. Das Territorium werde aufgewertet, die Abwanderung aus den Tälern könne möglicherweise gestoppt werden. Dies haben die Hobby-Jäger jetzt einmal mehr fürs Kollektiv vermasselt. Und dies, obwohl in 10 Jahren noch einmal über den Park und seine Erfolgsgeschichte hätte abgestimmt werden können.

Das Gebiet des Locarnese zeichnet sich durch eine ausgesprochene Vielfalt an Landschaften und Kulturräumen aus. Die Natur wird geprägt von den unterschiedlichsten Klimazonen, welche sich auf kurzer Distanz folgen. Zwischen den Brissago-Inseln, dem tiefsten Punkt des geplanten Nationalparks auf 193 Metern über Meer bis zum 2864 Meter über Meer hohen Wandfluhhorn (Pizzo Biela) oberhalb Bosco Gurin liegen nur 35 Kilometer. Eine solch reichhaltige Landschaft und Natur, gepaart mit lebendiger und traditionsreicher Kultur, findet sich in der Schweiz nicht häufig, schon gar nicht auf vergleichsweise kleinem Raum. Der Park hätte unter einem Dach Regionalentwicklung und Naturschutz vereint.

Italien hat 24 Nationalparks, Deutschland deren 16. In der Schweiz gibt es nur einen – den 1914 eingerichteten Schweizerischen Nationalpark im Engadin.

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