Indemini – Mit den warmen Temperaturen der letzten Wochen hat die Zeckenzeit begonnen und damit auch das Risiko, sich durch den Biss der kleinen Spinnentiere mit ernsten Erkrankungen wie der Lyme-Borreliose zu infizieren. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen jedoch, dass unser wertvollster Verbündeter im Kampf gegen die Borreliose vermutlich der Fuchs ist. Die IG Wild beim Wild fordert daher als Teil einer länderübergreifenden Allianz von Natur- und Tierschutzorganisationen dazu auf, die Bejagung von Füchsen zu stoppen.

Die Lyme-Borreliose ist in Europa die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit; mehr als 200.000 Menschen infizieren sich jedes Jahr damit.

Die Anzahl der Menschen, die sich mit Borreliose und andere von Zecken übertragenen Krankheiten anstecken, ist in der Schweiz steigend. Das Bundesamt für Gesundheit geht davon aus, dass in der Schweiz jährlich etwa 6000 bis 12’000 Personen an der sogenannten Lyme-Borreliose erkranken. Bei FSME sind es zwischen 100 bis 250. Deshalb stuft das Bundesamt für Gesundheit (BAG) durch Zecken übertragene Krankheiten als wichtiges Gesundheitsproblem für die Schweiz ein.

Auf Waldböden, urbanen Gegenden und in Parks warten die Zecken auf ihre erste Blutmalzeit. Auch von den omnipräsenten Mäusen und anderen kleine Säugetieren, welche die gefürchteten Krankheitserreger in und auf sich tragen, ernähren sich die kleinen schwarzen Parasiten.

Aber dem müsste nicht so sein. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass das Fehlen von Mäuse jagenden Beutegreifern, insbesondere der Fuchs, Ursache für die steigende Anzahl der von zeckenübertragenden Erkrankungen ist. Zeckenlarven werden ohne die für den Menschen gefährlichen Krankheitserregern geboren. Nur Zecken, die vorher infizierte Tiere gebissen haben, sind dafür verantwortlich, dass sich Menschen anstecken.

Die Erkrankung wird von Bakterien verursacht und äussert sich im Frühstadium nur durch Rötungen um den Zeckenbiss sowie leichte Allgemeinsymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen. Breiten sich die Erreger im Körper aus, können sie zu Herzproblemen, bleibenden Organschäden und schweren chronischen Symptomen führen. Bis heute gibt es – anders als etwa bei der ebenfalls von Zecken übertragenen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) – keinen Impfstoff gegen die Lyme-Borreliose.

Mehr Füchse – weniger Borreliose-Erreger

Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, dass unsere wertvollsten Verbündeten bei der Bekämpfung dieser ernsten Infektionskrankheit Beutegreifer sind, die sich von Mäusen ernähren – allen voran der Rotfuchs. Der niederländische Biologe Hofmeester* verglich 20 Waldgebiete mit unterschiedlichen Populationsdichten von Beutegreifern wie Füchsen und Mardern. Seine höchst interessante Erkenntnis: In Gebieten, in denen viele Füchse lebten, trugen weitaus weniger Zecken Erreger der Lyme-Borreliose in sich.

Als Grund dafür identifizierte er den Einfluss der Beutegreifer auf das Verhalten von Mäusen, die als Hauptreservoir des Borreliose-Erregers gelten. Wo es genügend Beutegreifer gibt, halten Mäuse sich häufiger im Verborgenen auf und werden so seltener von Zeckenlarven befallen. Dadurch kann die Borreliose sich schlechter in der Mäusepopulation verbreiten, Zecken nehmen den Erreger seltener auf, und die Übertragungswahrscheinlichkeit auf den Menschen sinkt. Der Schutz von Füchsen trägt also dazu bei, Menschen, aber auch Haus- und andere Wildtiere vor von Zecken übertragenen Krankheiten zu schützen!

Forscher regen Schonung von Füchsen an

Die Autoren der in den renommierten britischen “Proceedings of the Royal Society of Biological Sciences” veröffentlichten Studie regen daher an, unser Verhältnis zu Beutegreifern wie dem Rotfuchs zu überdenken. Gerade Füchse würden in nahezu ganz Europa intensiv bejagt, statt sie als Verbündete im Kampf gegen Krankheiten zu würdigen und zu schützen.

Das Aktionsbündnis Fuchs schliesst sich dieser Einschätzung an: „Für die Verfolgung des Rotfuchses gibt es keinen vernünftigen Grund“, so Daniel Peller, einer der Initiatoren des Bündnisses.

„Im Gegenteil: Wie wir aus fuchsjagdfreien Gebieten wissen, profitiert die Natur vom Schutz dieser sozialen und intelligenten Beutegreifer. Dass sie uns beim Kampf gegen die Borreliose helfen, ist ein weiteres Argument dafür, die oftmals tierquälerische Bejagung des Fuchses zu beenden.“

Wer Angst vor Krankheiten wie der Lyme-Borreliose, Hasenpest oder dem sogenannten Fuchsbandwurm hat, sollte sich mit aller Deutlichkeit gegen die Hobby-Jagd aussprechen.

*) Hofmeester, T.R. et al (2017): Cascading effects of predator activity on tick-borne disease risk. Proc. R. Soc. B 284 : 20170453.

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