Spanien: Toter Pottwal mit 30 Kilo Plastik im Magen

Ein 10 Meter langer Pottwal ist vor der Südküste Spaniens an dem von ihm verschluckten Plastikmüll zugrunde gegangen. Das ergab die Obduktion des Tieres.

Forscher fanden Plastiksäcke, Fischernetze und sogar einen Plastikkanister im Magen des Jungtieres.

Anwohner gingen wegen des üblen Verwesungsgeruchs davon aus, dass der Wal schon seit geraumer Zeit tot war. Das Tier war völlig ausgemergelt.

Toter Pottwal Spanien

Der zehn Meter lange Pottwal ist am 27. Februar an einer Küste nahe der Stadt Cartagena in der Region Murcia gestrandet. Wie die «New York Times» berichtet, war das Tier mit einem Körpergewicht von 5900 Kilogramm zum Zeitpunkt des Todes ungewöhnlich dürr. Ausgewachsene Pottwale können über 50 Tonnen schwer werden. Das geringe Körpergewicht hat denn auch Anlass zur Obduktion gegeben, die von Forschern des El Valle Wildlife Rescue Center durchgeführt wurde.

Plastik Pottwal Spanien

Bereits 2013 wurde an der Küste von Granada ein Wal mit 18 Kilo Plastik gefunden. Der Müll hatte einen Magenriss verursacht.

Als Reaktion startete das Ministerium für Tourismus, Kultur und Umwelt der Region Murcia elf Strandreinigungsaktionen. Dabei wurden Daten über die Art und Menge des Mülls gesammelt. Auch Aufklärungsgespräche in Schulen wurden veranstaltet.

Ungeklärt bleibt, weshalb der Pottwal die Plasticteile überhaupt verschluckt hat. Als Zahnwal nimmt er seine Beute gezielt auf – im Unterschied zu Bartenwalen, die ihre Nahrung aus dem Wasser filtern und deshalb weniger selektiv vorgehen können. Möglicherweise liege es daran, dass das Mittelmeer weitgehend leer gefischt sei, sagt Meeresbiologe Selling. «Aus Hunger schlucken die Tiere dann einfach alles

„Wenn Meerestiere versehentlich Plastik essen, sammeln es sich in ihrem Verdauungssystem an. Das führt zu einem falschen Sättigungsgefühl und sie essen weniger„, erklärt Greenpeace Spanien in einer Erklärung. „Dann verlieren die Tiere an Gewicht und werden schwächer, weil sie wichtige Nährstoffe nicht zu sich nehmen, was ihre Überlebensfähigkeit verringert.“

Die NGO erklärte auch, dass diese Abfälle Verstopfungen, Verletzungen, Perforationen und andere physische Schäden am Verdauungssystem der Meerestiere verursachen können.

Der Pottwal, der nach spanischem Recht als gefährdetes gilt, ernährt sich fast ausschließlich von Tintenfischen.

Doch die Meeressäuger sind nicht die einzigen Opfer der grossen Menge an Kunststoffen, die im Meer landen. Laut Greenpeace fressen 40-60 % der Schildkröten Plastik, bei einigen Vogelarten steigt dieser Anteil sogar auf 93 %.

Dabei ist das Plastikproblem der Meere hinlänglich bekannt. Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2016 gelangen jedes Jahr mindestens acht Millionen Tonnen Kunststoff in die Meere. Gehe es so weiter wie bisher, gebe es 2050 mehr Plastik als Fische, heisst es in der Studie weiter. Im Nordpazifik sollen mittlerweile 45 000 bis 129 000 Tonnen Plastik schwimmen, so die Erkenntnisse einer jüngst im «Scientific Report» publizierten Studie. Je nach Untersuchung gehen die Angaben zur Abfallmenge in den Meeren und Ozeanen stark auseinander. Dass dort aber riesige Müllteppiche aus Plastik schwimmen, ist unbestritten.

Für Tiere besonders gefährlich sind die sogenannten Geisternetze. Dabei handelt es sich um herrenlose, oft aus Kunststoff hergestellte Fischernetze, die unkontrolliert Fisch und andere Meerestiere fangen – oder von diesen geschluckt werden. Sie reissen sich von Fischereischiffen los, gehen bei hohem Seegang verloren oder werden absichtlich im Meer entsorgt. Nach Angaben von Greenpeace gehen auf diese Weise jährlich rund 25 000 Netze verloren.

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