Italien: Wolfs-Hybride zum Abschuss freigeben

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Der Grund, oder vielmehr die Ausrede: natürliche Wolfsmischlinge seien schädlich für die Wolfspopulation.

Es geht dabei um Mischlinge Wolf-Hund, auch Wolfhybride genannt, also Tiere, die aus einer Paarung von Wolf und Hund entstammen. Wenn zwei unterschiedliche Arten sich paaren, sind die entstehenden Hybride unfruchtbar. Wolf-Hund-Hybride jedoch können sich vermehren, denn hier handelt es sich nicht um zwei verschiedene Arten, Hunde sind eine Unterart der Wölfe. Die beiden haben sogar mehr gleiche DNA als zwei nicht verwandte Menschen. Trotzdem glauben einige, diese natürlichen Mischlinge bedrohten die Existenz der Wölfe und wollen deshalb Hybride wie auch Wölfe abschiessen. Damit aber bedrohen sie das Überleben der Wölfe, statt sie zu schützen.

Die europäische Wolfspopulation erholt sich langsam von ihrer beinahe vollständigen Ausrottung. Über 100 Jahre gab es an den meisten Orten keine Wölfe mehr, doch nach und nach besiedeln sie die meisten Länder wieder. Darüber sind viele Leute besorgt. Vor allem Jäger und Bauern fürchten, dass der Wolf ihre Herden bedroht und bekämpfen ihn. Deshalb ‚managen‘ gewisse Länder Wölfe (wie auch andere Raubtiere). Dafür machen sie drei Gründe geltend: Sie wollen Konflikte zwischen Mensch und Wolf vermeiden, damit soll die Toleranz gegenüber den Wölfen verbessert werden und weiter soll der Wolfsbestand kontrolliert werden. Und dies, obwohl erwiesen ist, dass Herdenschutz viel effektiver ist.

Wolf-Hund-Hybride sind ein wesentlicher Teil der Wolfspopulationen in den italienischen Apenninen. Eine Gefahr für Menschen oder Tierherden sind sie nicht, wie wissenschaftliche Studien belegen. Sie verhalten sich wie reinrassige Wölfe. Trotzdem wird oft das Gegenteil behauptet.

Unklare Beschlüsse in Italien

Ohne wirkliches Wissen beschloss die italienische Regierung, einige Hybride zu töten oder, wie es beschönigend genannt wird, ‘sie aus der Natur zu entfernen’. Eine genaue Zahl wird nicht genannt, ebenso wenig ein genaues Ziel.

Wie überlebte der Wolf als Art Tausende von Jahren zusammen mit der Unterart Hund, wenn diese Mischung ein Problem ist?

In den italienischen Apenninen gibt es sehr viele streunende Hunde, ganze Rudel wilder Hunde, ausserdem Hütehunde und Wachhunde. Wie also behielten die wenigen überlebenden Wolfsrudel in den 1960ern ihre Eigenschaften? Sie überlebten nicht nur, sie vermehrten sich sogar in verschiedenen Gegenden Europas.

Vielleicht sind die genetischen und ethologischen Mechanismen stärker als wir denken? Es scheint, dass die Regierung nur die lokalen Behörden beruhigen will, die Wölfe ausrotten wollen.

Wo wollen wir die Grenze zwischen einem ‘normalen’ Wolf mit Hunde-DNA und einem Hybrid ziehen? 

Studien zufolge sind Hundegene seit Urzeiten im eurasischen Wolf vorhanden. Man kann demnach nicht sagen, die ‚heutigen Wölfe‘ seien ‚keine echten Wölfe‘ mehr, denn entgegen dieser Behauptung vermehren sich die Wölfe weiter. Die Unterscheidung ist buchstäblich eine Frage von Leben und Tod. Die Wölfe brauchen Schutz, nicht die Tötung von Hybriden wie in Italien.

Es gibt verschiedene Ansichten über die italienischen Hybriden. Es geht um Genprozente, aber auch ums Aussehen. Wie sollen Hybride genau definiert werden? Sollen Behörden, Jäger, Bauern oder die Medien bestimmen, was ein Hybrid ist?

Eine Antwort auf diese Fragen ist essenziell, da Italien den Abschuss von Wölfen gutheisst. Die Folgen der Abschüsse müssen der Bevölkerung aufgezeigt werden. Und das wollen die Behörden vermeiden, ohne Rücksicht auf Politik oder Wissenschaft. Wohin das führt, wissen wir…

Töten ist keine Lösung – es braucht vielmehr eine Verringerung der Risiken

Die Angst vor Hybriden hängt auch mit der grossen Anzahl von Streunern zusammen. In vielen Ländern wird die Zahl der Streuner nicht kontrolliert, gleichzeitig ist das Einfangen und Töten dieser Hunde verboten, so dass sie sich immer stärker vermehren. Allein in Frankreich geht man von 40‘000 Streunern aus – fünfzig Mal mehr als es Wölfe im Land gibt.

Mischlinge, die sich wieder mit Wölfen kreuzen, werden in den Wolfsrudeln aufgenommen. Wenn diese Rudel aber durch Jagd dezimiert werden, könnte es zu weiteren Mischungen kommen. Ein effektives Management sollte demnach die Faktoren verhindern, welche diese Mischungen begünstigen, z.B. kleine Populationen, die Präsenz von Streunerhunden sowie die unregulierte Jagd und Wilderei.

Original: Fourth Excuse To Kill Wolves Grows: Italy Kills Natural Crossbreeds

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