Bern: Tierschützer fordern Wildtier-Verbot im Zirkus

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Keine Löwen, die durch Reifen springen – keine Tiger, die rückwärts gehen: Die Schweiz soll ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gesetzlich verankern. Tierschutzorganisationen haben am Donnerstag eine Petition mit über 70’000 Unterschriften eingereicht.

Der Bundesrat soll das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen und Varietés verbieten, fordern die Initianten von Pro Tier, der Stiftung für das Tier im Recht und Vier Pfoten. „Zirkus und Artenschutz gehen nicht zusammen“, sagte Vanessa Gerritsen von der Stiftung für das Tier im Recht vor den Medien in Zürich.

Zwei Jahre lang hätten sie an diesem Anliegen gearbeitet, „jetzt muss das Verbot kommen“, sagte sie. Die rechtliche Situation in der Schweiz bezeichnete die Tierschützerin als „gesetzlich erlaubte Tierquälerei“. Die Tierschutzverordnung legitimiere für Zirkusse sogar ein Abweichen von den Mindestanforderungen.

70’676 Unterschriften übergaben die drei Organisationen am Nachmittag in Bern. Mit dem deutlichen Statement der Bevölkerung fordern sie den Bund auf, „die wissenschaftlich fundierten Bedenken gegen eine Wildtierhaltung im Zirkus ernst zu nehmen und das längst überfällige Verbot endlich auszusprechen“.

Bundesrat soll Liste erlassen

Bei der Petition gehe es erst um die Spitze des Eisbergs, sagte Gerritsen. Die Tierschutzorganisationen erhoffen sich, dass der Bundesrat festlegt, welche Tiere künftig verboten würden – vielleicht in Form einer Liste. „Für uns wären natürlich je mehr, desto besser.“ Die Schweiz hinke in diesem Bereich weit hinterher.

Gemäss Initianten haben in Europa bereits 26 Länder Verbote oder starke Einschränkungen bei der Haltung von Wildtieren im Zirkus erlassen. Weltweit sollen es 43 sein. Teilweise seien sogar sämtliche Tierarten verboten – etwa in Italien, wo das Verbot seit Beginn dieses Jahres gilt.

Neben der Grösse der Gehege und den vielen Ortswechseln seien auch die vielen Menschen während der Aufführung für die Tiere problematisch, betonten die Tierschützer. „Zähmen bedeutet nicht domestizieren“ sagte Gerritsen. Wildtiere seien nicht-domestizierte Tiere mit kaum erfüllbaren Haltungsansprüchen.

Raubkatzen als „Provokation“

Nicht ohne Grund hatten die Organisationen diesen Tag für die Petitionsübergabe gewählt: Der Circus Knie lud am Abend zum Tourneestart nach Rapperswil SG ein. „Sie sind auf einem guten Weg“, sagte Barbara Kerkmeer von Pro Tier auf den Schweizer Nationalzirkus angesprochen. Man sei seit Jahren miteinander im Gespräch.

So sind im Knie seit vielen Jahren auch keine Raubtiere mehr im Programm, die Elefanten treten seit 2016 nicht mehr auf. „Der Trend ist klar“, sagte Kerkmeer, „immer mehr Zirkusse verzichten freiwillig.“ Einzig im Cirkus Royal und im Circus Gasser-Olympia seien auch in der letzten Saison noch Raubkatzen aufgetreten. Kerkmeer bezeichnete dies als „Provokation“.

So hatten die Tierschutzorganisationen 2016 und 2017 auch je eine Strafanzeige gegen die beiden Schweizer Zirkusse eingereicht, wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz. Eine davon im Kanton Bern ist noch pendent, bei der anderen im Kanton St. Gallen waren die fraglichen Straftatbestände nicht erfüllt gewesen, weshalb sie nicht anhand genommen wurde.

Audio: Streit um Elefanten & Co in der Manege

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