England: Verbot von Wildtieren im Zirkus

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Der Gebrauch von Wildtieren in Wander-Zirkussen wird nun auch in England ab 2020 verboten.

Tierschutzorganisationen in vielen Ländern dieser Welt laufen derzeit Sturm gegen Wildtiere in  Zirkussen, 40 Länder auf der ganzen Welt haben mittlerweile reagiert und Verbote erlassen. 

Der Hintergrund: Ein brutaler Umgang, aushungern und völlig unzureichende Hygiene sind im Zirkus für die Vierbeiner oft an der Tagesordnung. Kunststücke werden oftmals mit Gewalt eingeübt. Dazu sind die Tiere gezwungen, den Auftritts-Ort im Schnitt bis zu 50-mal pro Jahr zu wechseln. Vor allem die artgerechte Haltung und Fütterung stellt ein grosses Problem da. Die Tiere leben in beengten Käfigen und unzureichenden Gehegen oder Transportwagen. Ausserdem ist die ärztliche Kontrolle der Tiere fast kaum zu ermöglichen, da es nicht an jedem Ort auf Wildtier spezialisierte Veterinäre gibt.

Derzeit werden noch 19 wilde Tiere in Wanderzirkussen in ganz England eingesetzt: 4 Zebras, 1 Zebu-Rind, 3 Kamele, 1 Fuchs, 3 Waschbären, 6 Rentiere und 1 Papagei.

Erst im letzten Jahr hatte Schottland ein ähnliches Verbot von Wildtieren im Zirkus erlassen, über die Hälfte der Behörden im Vereinigten Königreich weigerte sich bereits, Zirkusse mit derlei Tieren in ihren Bezirken auftreten zu lassen.

In Irland ist im Januar ein Verbot in Kraft getreten, auch die italienische Regierung erliess Ende 2017 ähnliche Gesetze.

Die IG Wild beim Wild freut sich über den neuen Beschluss der britischen Regierung und ist positiv überrascht.

Doch wie sieht es in der Schweiz aus? 

Die Schweiz sei diesbezüglich europaweites Schlusslicht. In der Tierschutzverordnung gibt es ein besonderes Kapitel für Wildtiere mit einem umfangreichen Anhang mit Mindestanforderungen für die Haltung. Geregelt ist darin unter anderem die Art und die Grösse der Gehege. Doch dies gilt nicht für Zirkusse – sie haben eine Sonderregelung, da ihre Tiere noch in der Manege auftreten. 

Das Schweizer Tierschutzgesetz schützt neben dem Wohlergehen von Tieren auch ihre Würde. Damit legt es fest, dass Tiere nicht beliebig für die Interessen des Menschen zur Verfügung stehen. Im Sinne einer Güterabwägung müssen zwingend gewichtige Gründe vorliegen, um Tiere in ihren Bedürfnissen einzuschränken. Das Halten und Vorführen von Wildtieren im Zirkus aber dient einzig der Unterhaltung des Publikums. Dieser Zweck rechtfertigt die schweren Einschränkungen der Tiere in keiner Weise. Kraftvolle, wilde Tiere, die Tag für Tag gezwungen werden, sich im Scheinwerferlicht der Manege zur Schau zu stellen, Kunststücke vorzuführen und sich dem Willen des Menschen zu unterwerfen, führen kein Leben in Würde.

Die jetzige Rechtslage in der Schweiz ist willkürlich und ohne wissenschaftlichen Beweis.

Die Situation in Deutschland

Die Rechtslage für die Unterbringung und Haltung von Tieren in Zirkussen ist in Deutschland ebenfalls sehr schlecht. Es existieren unverbindliche Leitlinien, die weit unterhalb der Mindestanforderungen eines Zoos liegen.

Während in mehr als 20 EU-Staaten (darunter Österreich und Holland) wilde Tiere im Zirkus verboten sind, steht ein Verbot in Deutschland – zumindest derzeit – nicht zur Debatte. Bereits 2003, 2011 und 2016 stimmte der Bundesrat mit deutlicher Mehrheit für ein Verbot für Wildtiere im Zirkus. Dazu gehören vor allem Grosskatzen, Bären und Elefanten. Auch die Mehrheit der deutschen Bevölkerung spricht sich seit einiger Zeit für das Verbot aus. So zeigte eine von der Stiftung VIER PFOTEN in Auftrag gegebene Umfrage, dass ganze 70 Prozent der Befragten den Tieren zuliebe auf die Show im Zirkus verzichten wollen. Die Schuld für den Stillstand sehen Tierschützer bei der CDU/CSU, besonders beim Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder.

Immer mehr Städte und Gemeinden versuchen gegen die Auftritte von Zirkustieren vorzugehen, indem sie zum Beispiel keine städtischen Flächen mehr zur Verfügung stellen. Diese kommunalen Verbote sind zwar schwer zu realisieren, setzen aber ein deutliches Signal an den Gesetzgeber, der handeln und die Verbote bundesweit durchsetzen soll.

Yvonne Würz von PETA sagte dazu: „Deutschland ist eines der letzten Länder in Europa, wo noch immer Elefanten, Tiger und sogar Giraffen auf Lkw durchs Land gekarrt und mit der Peitsche zu Tricks gezwungen werden dürfen. Der Horror muss endlich für alle Tiere beendet werden.“

Erster Zirkus verzichtet freiwillig auf Show mit Wildtieren

Der berühmte Circus Roncalli nimmt sich die Forderung der Zuschauer und Tierschützer nun erstmals zu Herzen. Am 15. März startet in Recklinghausen die Tournee 2018 – allerdings ohne Zirkustiere! Damit ist Roncalli der erste deutsche Zirkus, der auf die Bitte reagiert. Ein Zirkus mit Tieren sei nicht mehr zeitgemäss, sagte Zirkusdirektor Bernhard Paul während einer Pressekonferenz im Mai 2017. „Unser Circus ist immer mit der Zeit gegangen und hat als Kulturträger stehts entscheidende Trends gesetzt. Jetzt ist es halt bei Roncalli mal wieder soweit.“, so Paul weiter. Natürlich muss auf Spass im Zirkus trotzdem nicht verzichtet werden!  Auch ohne Tiere bleibt sich der Zirkus treu und will mit typischen Roncalli-Elementen überzeugen. Statt echten Pferden wird es nun lebensechte Hologramme geben. Des Weiteren wird der Schwerpunkt auf die Show der Artisten gelegt. Das sei auch Anlass für eine Namensänderung. Das Unternehmen solle künftig „Circus-Theater“ heissen.

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