Direkt an der Landstrasse nach Königswinter in NRW/Deutschland liegt eine Oase. Im Zentrum eine riesige ehemalige Tongrube, schilfumwachsen. Auf den Inseln im See ruhen Enten, Gänse, Fischreiher und Kormorane.

Dr. Tilman Macke ist 78, stampft aber mit Gummiclogs und windverwehten Locken wie ein junger Mann durchs Gelände.

„Natürlich sind hier die Rehe, Fuchs, Dachs, Hermelin, Eichhörnchen selbstverständlich.“

Tilman Macke hat dieses vier Hektar grosse Gelände vor 17 Jahren gekauft. Er ist Biologe, Naturschützer und Enkel von August Macke. Das Paradies, das er „Arche Lütz“ nach dem gleichnamigen Bach taufte, beglückte ihn Tag für Tag. Bis die Jäger eindrangen. Durch ein Loch im Zaun. Er zeigt die Stelle.

Jäger drangen auf Mackes Grundstück ein

„Und dann sind sie hier über die Höhe, haben sie sich rangepirscht, haben dann die Enten hochgejagt, die müssen in der Luft geschossen werden, und dann streut der Schrot, und das ist dann für die Enten wirklich ein qualvoller Tod.“

Die Jägerin Andrea Wernick zielt am 27.08.2014 bei Fellbach (Baden-Württemberg) mit einem Jagdgewehr. (picture-alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Eine Jägerin visiert ein Ziel an. (picture-alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Eindringen auf fremde Grundstücke – das gilt normalerweise als Hausfriedensbruch. Im Jagdgesetz steht es anders: Jeder, der wie Tilman Macke ein Grundstück ausserhalb geschlossener Ortschaften besitzt, ist automatisch Mitglied einer Jagdgenossenschaft. Und muss von Gesetzeswegen her dulden, dass bewaffnete Jäger das Grundstück betreten, dort Schiesstürme errichten, Fallen aufstellen, Gesellschaftsjagden abhalten und Wildtiere töten.

„Es ist einfach ein Tötungsdrang, der mir ekelhaft ist.“

Für den Biologen gab es kein einziges Argument für die Jagd. Er suchte das Gespräch: „Ich sag ‚Leute, ich mache hier Naturschutz, habe eine Oase, wo auch eure Rehe ihre Kitze grossziehen können, und ich tue alles, dass hier Friede ist.‘ Die haben gesagt: ‚Das gehört zur Jagdgenossenschaft, das bedeutet Zwangsbejagung, und da gibt’s keine Diskussion, wir jagen hier!‘

Antrag wie auf Kriegsdienstverweigerung 

Es kam noch schlimmer für ihn. Hinter dem gegenüberliegenden Ufer zeigt er den Fuchsbau, in dem die Füchsin ihre Jungen versteckte: „Da haben sie mir nen Fuchsbau einfach ausgegraben und die Füchse wahrscheinlich alle totgeschlagen, das ist so widerwärtig, für mich ist das reine Tötungslust gewesen.“

Tilman Macke zog vors Verwaltungsgericht und stellte einen Antrag auf Befriedung. So wie – Stand Sommer 2016 – weitere 173 Grundstückseigentümer in NRW. Das geht aus einer Antwort der NRW-Landesregierung auf eine kleine Anfrage von FDP-Abgeordneten hervor. Aktuelle Zahlen gibt es nicht.

Hobby-jäger mit seinem Jagdhund und seinem Gewehr auf einem Waldweg (picture alliance/ dpa/ Christoph Schmidt)

Einen ganzen Ordner füllt der Rechtsstreit, der ihn einige Tausend Euro gekostet hat. Wie einst ein Kriegsdienstverweigerer musste er schriftlich seine ethischen Gründe darlegen. Er liest vor: „Bereits in jungen Jahren widerte mich die Jagd an und mich empörte, wie Jäger sich als Naturschützer in der Öffentlichkeit darstellen. Als Biologe sah ich keinen Sinn in der Jagdausübung. Ich war und bin der Meinung, dass durch ein generelles Jagdverbot sich ein gesundes biologisches Gleichgewicht in der Natur einstellen würde. Es gibt viele wissenschaftliche Erhebungen, die z.B. zeigen, dass der Abschuss von Füchsen nur dazu führt, dass die überlebenden Füchse wesentlich mehr Junge erzeugen um die Lücke wieder zu füllen.“

Er gewann der Rechtsstreit. Heute ist das Gelände befriedet. Die Arche Lütz ist als privates Naturschutzgebiet einer der ganz wenigen Orte in Deutschland, wo Tiere den Menschen nicht zum Feind haben, wie Karin Lamsfuss vom Deuschlandfunk schreibt.

Reportage hier anhören:

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