Jäger, Wilderer und das grosse Sterben am Himmel

Rund um das Mittelmeer töten Wilderer jedes Jahr rund 25 Millionen Zugvögel. Nun zeigt ein neuer Bericht von BirdLife International, dass auch in Mittel- und Nordeuropa und in der Kaukasusregion viele Vögel abgeschossen oder gefangen werden: Geschätzte 400’000 bis 2,1 Millionen Vögel fallen in diesen Ländern den Wilderern zum Opfer.

Am Dienstag veröffentlichte BirdLife International seinen 18-seitigen Bericht „The Killing 2.0“. Dieser zeigt erstmals auf, wie viele Vögel in Mittel- und Nordeuropa und in der Kaukasusregion pro Jahr illegal abgeschossen oder gefangen werden. 2015 hatte BirdLife International mit der international beachteten Studie „The Killing“ bereits das Ausmass der Wilderei rund um das Mittelmeer quantifiziert.

Während im mediterranen Raum pro Jahr noch immer rund 25 Millionen Vögel illegal getötet werden, sind es in Mittel- und Nordeuropa und im Kaukasus zusammen rund 400’000 bis 2,1 Millionen Vögel. Diese schockierend hohe Zahl erstaunt, da die meisten der Länder die Berner Konvention unterzeichnet haben und zudem der EU angehören, in der die Zugvögel gemäss der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind.

Die sechs Hotspots der Wilderei

Analysiert man die Zahlen aus Mittel- und Nordeuropa und dem Kaukasus genauer, so sind die „Hotspots“ der Wilderei in folgenden Ländern zu finden (alphabetisch geordnet): Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Deutschland, Georgien und Niederlande. Besonders gefährlich für Zugvögel ist Aserbaidschan: Allein zwischen 160’000 und 900’000 Wasservögel kommen hier jedes Jahr durch Wilderei um. Aber auch in Deutschland werden jährlich mehrere Hunderttausend Vögel gewildert.

Grafik Vogelkilling

In Mitteleuropa und im Kaukasus wird die Wilderei hauptsächlich als „Sport“ betrieben. In Nordeuropa hingegen werden Vögel illegal getötet, weil sie teilweise als Schädlinge gelten. In den Zahlen nicht inbegriffen sind die millionenfachen legalen Abschüsse von jagdbaren Arten wie Krähenvögeln, Enten, Hühnervögeln oder (in einigen Ländern) einzelnen Singvogelarten.

Haussperling und Buchfink am meisten betroffen

Besonders schlimm ist die Wilderei nach wie vor rund ums Mittelmeer, wo die Hotspots weiterhin in Ägypten, Italien, Syrien und im Libanon liegen. Insgesamt kommen rund um das Mittelmeer, in Europa (ohne Russland) und im Kaukasus jedes Jahr durchschnittlich 25 Millionen Vögel durch Wilderei um – wobei die Schätzungen von 12 bis 38 Millionen reichen. Zahlenmässig am meisten betroffen sind folgende Arten: Haussperling (4,7 Mio.), Buchfink (2,9 Mio.), Mönchsgrasmücke (1,8 Mio.) und Wachtel (1,7 Mio.). Besonders problematisch ist die Wilderei allerdings für Greifvögel, die oft nur ein Junges pro Jahr hochziehen. Bei solchen langlebigen Arten fällt jeder einzelne Verlust für die Population weitaus mehr ins Gewicht als bei kurzlebigen Arten mit vielen Jungen. Hier kommt auch die Schweiz ins Spiel: Die Wilderei betrifft zwar hierzulande eine relativ geringe Zahl von Vögeln, mit der Vergiftung von seltenen Wanderfalken ist sie aber besonders schlimm.

Gemeinsamer Kampf

Doch es besteht Hoffnung: Immer mehr Länder und Institutionen werden gegen die illegale Jagd aktiv. Nach einem jahrzehntelangen Kampf der BirdLife-Partner und anderer Naturschutzorganisationen haben sich die meisten mediterranen Länder 2013 im Rahmen der Berner Konvention auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Unter Beteiligung von BirdLife International verabschiedeten sie den sogenannten «Tunis Action Plan», der bis 2020 zahlreiche Massnahmen zum Schutz der Vögel vorsieht. Die Konvention zum Schutz der migrierenden Arten (CMS) gründete eine Task Force, und die EU erarbeitete eine Road Map und finanziert Massnahmen.

In den meisten Ländern sind auch die BirdLife-Partner im Kampf gegen die Wilderei aktiv. Sie machen Aufklärungsarbeit, lobbyieren für bessere Gesetze und zeigen Wilderer an. Unterstützt werden sie in einigen Ländern vom Komitee gegen den Vogelmord, das teils zusammen mit BirdLife Camps organisiert und Netze und Fallen entfernt. BirdLife Schweiz ist sehr aktiv, um die Greifvogelvergiftungen in der Schweiz zu stoppen.

Für Werner Müller, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz, ist klar: „Europaweit gehen die Vogelbestände massiv zurück. Die Wilderei ist einer der vielen Gründe für den Rückgang und deshalb mit allen Mitteln zu unterbinden – auch in der Schweiz.“

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

ein Kommentar

  1. Ich habe da vor Jahren schon mal einen Bericht drüber gemacht, als Redakteur bei einem grossen deutschen Sender. Wir haben damals deutsche Vogelschützer nach Italien begleitet, es war ein nicht ungefährliches Unterfangen – natürlich wurden wir bedroht. Ich dachte aber, der damalige mediale Aufschrei habe eine Besserung der Situation bewirkt. Traurigerweise scheint das nicht der Fall zu sein. Ich glaube, man muss einfach mit drastischen Videobildern über die bestmöglichen Verbreitungskanäle versuchen, diese Barbarei wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen.

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