Wie Jäger auf die falsche Fährte locken

Im Rahmen einer Tierschutz-Arbeit entstand am 8. Oktober 2017 eine Diskussion in der Facebook Gruppe der betroffenen Gemeinde, über das geplante Wildschweingatter im Kanton Zürich.

Am 9. Oktober 2017 meldet sich ein Hobby-Jäger und Fake-News Spezialist namens Simon Meier vom Verein Wildtier Schweiz mit folgendem Wortlaut:

Kommen Sie doch einmal vorbei, geniessen sie einen Rundgang hier oder besuchen Sie eines der vielen Restaurants. Ich denke die Einwohner von Elgg sehen den Sinn der Jagd. Gerade von einer effizienten Wildschweinbejagung……Sogar der Schweizer Tierschutz ist dafür dass die Jagdhunde aus Tierschutzgründen an Wildschweinen ausgebildet werden.

Dass der Hobby-Jäger Simon Meier selber nicht aus Elgg kommt und vermutlich auch noch nie dort gewesen ist, wissen die ahnungslosen Leserinnen und Leser zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der letzte Satz ist aber an Dreist- und Falschheit kaum zu toppen und bestätigt erneut unser kritisches Augenmerk auf die Jägerschaft insgesamt. Simon Meier schafft es schon zu Beginn der Diskussion 2 Lügen in ein paar Sätzen zu platzieren.

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat unlängst ein Positionspapier veröffentlicht, was von der Ausbildung und Einsatz von Jagdhunden in der Schweiz zu halten ist. Nämlich rein gar nichts (ausser der Nachsuche).

Am 10. Oktober wird folgendes zum Wildschweingatter im Kanton Zürich bekannt:

Entgegen der Behauptung im Landboten vom 6.10.2017 von Urs Philipp, Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung im Kanton Zürich, („Man habe sich mit lokalen Tierschutzorganisationen abgesprochen und bereits einen Bestandestierarzt gefunden„), unterstützt der Zürcher Tierschutz das Wildschweingatter in Wahrheit auch nicht! Von Absprache kann also keine Rede sein!

Der Zürcher Tierschutz lehnt die Anlage ab, weil es 1. Stress und Verletzungsgefahr für Wildschweine und Hunde bedeutet, und 2. weil der Tierschutz grundsätzlich den Ansatz solcher Anlagen falsch findet: Der Tierschutz ist überzeugt, dass Bewegungs-/Treibjagden durch die vielen Fehlschüsse deutlich mehr Tierleid verursachen als gezielte Abschüsse durch Ansitzjagd, 3. solche Anlagen im nahen Ausland zur Verfügung stehen.

Sofort meldet sich der Hobby-Jäger und Fake-News Spezialist Simon Meier vom Verein Wildtier Schweiz wieder zu Wort und versucht die Leserschaft mit ausländischen Paragrafen usw. zu täuschen.

Spannend ist, dass genau über dieses Thema eine wissenschaftliche Untersuchung in Deutschland durchgeführt wurde (Doktorarbeit von Dr. med. vet. Ralf Erler) in der der Stresshormonwert (Cortisol) im Speichel der Wildschweine in verschiedensten Situationen getestet wurde mit dem Resultat: Bei Einhaltung der Untersuchungsbedingungen gemäß dem Gemeinsamen Standpunkt zur tierschutzgerechten Verhaltensanpassung von Jagdhunden im Schwarzwildgatter bleiben §1 und §3 des Tierschutzgesetz sowie §19/13 des Bundesjagdgesetzes unberührt. Der Einsatz von Wildschweinen in Schwarzwildgattern zur Verhaltensanpassung von Jagdgebrauchshunden erzeugt, nach den vorliegenden Ergebnissen, keinen Dysstress und ist somit nicht tierschutzrelevant.

Eine Recherche zu dieser „wissenschaftlichen Untersuchung“ förderte folgendes zutage:

Der in der Arbeit mehrmals genannte Prof. Dr. Hans Wunderlich, der das Gatter in Zehdenick mit betreut ist Jäger, Jagdhundezüchter, und war bis vor kurzem nur! Tierschutzbeauftragter des Jagdgebrauchshundeverbandes. Er ist ein strikter Befürworter von Jagdhundeausbildungen an lebenden Tieren (Ente, Fuchs usw.) und wurde später, unter anderem wegen dieser Arbeit, sogar unehrenvoll aus dem Jagdverband geschasst.

Dr. Ralf Erler der Verfasser der Dissertation über Jagdhundeausbildung im Schwarzwildgatter ist Tierarzt in der Praxis von diesem Prof. Dr. Hans Wunderlich. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Insofern verwundert es nicht, dass die Dissertation zugunsten der Schwarzwildgatter ausfiel und dieser Ausbildungsmethode eine tierschutzmässig oberflächliche „Unbedenklichkeit“ bescheinigt wurde.

Das Institut Wildtierforschung der Tiho Hannover wurde und wird von Jägern mit geleitet. Prof. Dr. Klaus Pohlmeyer der das Institut bis Mai 2008 leitete, war gleichzeitig ehemaliger Vorsitzender der Jägerschaft Niedersachsen.

Die „wissenschaftliche Untersuchung“ wurde also von Hobby-Jäger für Hobby-Jäger gemacht und ist weit davon entfernt, als eine unabhängige und professionelle Studie klassifiziert zu werden.

Am 11. Oktober erschienen neue Postings vom Hobby-Jäger Simon Meier mit folgenden Sätzen:

Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Wildhüter, die in Gebieten jagen, wo es Wildschweine hat, mit ihrem Hund schon in Wildschweingattern waren.

und:

Und ich kenne diverse Wildhüter, die nicht im Kanton Zürich tätig sind. Ich kenne auch Genfer Wildhüter. Und glauben Sie mir. Auch diese nehmen an Drückjagden teil. Entweder teils in ihren Gebieten oder sind von Freunden anderswo eingeladen.

Gottlieb Dandliker der Leiter in Genf sagt dazu:

„Die Regulation erfolgt ausschliesslich durch Wildhüter, es werden keine Amateurjäger einbezogen“. Für diese „Gardes de l’environnement“ spielen Sicherheit, Ethik und Tierschutz eine grosse Rolle: „Wir können uns nicht einen einzigen Unfall leisten.“ Tierschutz bedeutet vor allem die Vermeidung von angeschossenen Tieren. „Das passiert massenweise in der Umgebung, im Waadtland, in Frankreich. Da werden Treibjagden gemacht, die Tiere werden angeschossen, man findet sie oder findet sie nicht – oder erst eine Woche später“, berichtet der Faunainspektor. „Stresssituationen wie bei Treibjagden – wo die Tiere wissen: das war eine ganz furchtbare Sache – gibt es bei unserer Regulation nicht.“ Führende Bachen werden nicht geschossen – aus ethischen Gründen. Denn wenn die säugende Mutter fehlt, sterben die Kleinen. Auch die Leitbachen und die großen Eber werden nicht geschossen. „Dadurch erhoffen wir uns eine Stabilität in der Rotte und im Verhalten der Tiere“, erklärt Dandliker. „Wir haben hier regelmäßig Gruppen von Wildschweinwaisen von der französischen Jagd, die ihre Mutter verloren haben und in die Dörfer kommen.« Solche führungslose Frischlinge können natürlich grosse Schäden verursachen. Und es ist bekannt, dass sich Wildschweine nach Abschuss der Leitbache unkontrolliert vermehren.

Simon Meier antwortet:

Von den Genfer Wildhüter behaupte ich nicht, dass sie in ihrem eigenen Gebiet Drückjagden organisieren. Aber z. B. im Kanton St.Gallen wo es Jagdgesellschaften und regionale Wildhüter gibt, nehmen diese sehr häufig an den von Jagdgesellschaften organisierten Drückjagden in ihrem Gebiet teil. Ich kenne einen Wildhüter, der ist neben seinem Beruf zusätzlich noch freiwillig Revierpächter und Jagdaufseher. Ich bin jedes Jahr an einer Drückjagd eingeladen, wo jedes Jahr ein Berner Wildhüter mitjagd.

usw.

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

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