Graubünden: Die miserabelsten Schützen sind die Jäger

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Jeder zehnte Hirsch wird in Graubünden nur angeschossen statt erlegt.

Bündner Jäger haben in den fünf Jahren von 2012 bis 2016 insgesamt 56’403 Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine erlegt. In 3836 Fällen wurden diese Tiere aber lediglich angeschossen, berichtet die Rundschau vom SRF.

Dies geht aus den statistischen Daten für das sogenannte Schweisshundewesen hervor, welche Michael Eichhoff vom Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden öffentlich gemacht hat. 

Wenn ein Jäger ein Reh, Hirsch, Gams oder Wildschwein anschiesst und es zu flüchten vermag, ist er im Kanton Graubünden gesetzlich verpflichtet, einen Schweisshund mit Führer für die Nachjagd anzufordern. Nicht aber, wenn es Fuchs, Dachs und Co. sind. Es geht darum, verletzte Tiere vor langem Leiden zu bewahren. Schweisshunde sind speziell dafür ausgebildet, der Blutspur eines verletzten Tieres zu folgen. In der Jägersprache steht «Schweiss» für Blut, welches das angeschossene Tier verliert.

Um zu verhindern, dass einen Jäger angesichts des Tierleids die Gefühle überkommen, hat sich im Laufe der vergangenen Jahrhunderte die primitive Jägersprache bzw. das Idiotendeutsch entwickelt.

In den letzten fünf Jahren konnten mit Hilfe von Schweisshunden etwa 2200 der 3836 bei den Bündner Jagden verletzten Tiere entweder tot gefunden oder nach einer Hetzjagd zur Strecke gebracht werden. Diese Totfunde sind nur die Spitze des Eisbergs. Längst nicht alle toten Wildtiere werden jemals gefunden. Das zeigt die Statistik. Die übrigen rund 1600 Tiere entkamen mit der Schusswunde, lebten weiter oder verendeten.

Jeder zehnte Hirsch nur angeschossen

Eine gesamtschweizerische Statistik über Nachsuchen auf verletztes Wild gibt es nicht. Graubünden ist einer der wenigen Kantone, die über das Nachsuchen Buch führen. Weitere Kantone sind gemäss dem Schweizer Tierschutz STS Appenzell Ausserhoden, Freiburg, Glarus, Nidwalden, Tessin, Uri und Waadt.

Im Rahmen einer STS-Recherche «Streifschüsse und Nachsuchen auf der Schweizer Jagd» wurden alle kantonalen Jagdverwaltungen zum Thema Fehlschüsse und Nachsuchen befragt. Trotz Hinweis auf das Oeffentlichkeitsgesetz blieben die Jagdverwaltungen von neun Kantonen dem STS eine Antwort schuldig. Als Resultat der Umfrage ergibt sich, dass manche Kantone weder eine Meldepflicht für Nachsuchen kennen noch über deren Erfolgsquote Bescheid wissen. Es ist somit nicht bekannt, wie viele Tiere auf der Jagd tatsächlich angeschossen und wie viele durch Nachsuche von ihrem Leid erlöst werden konnten.

Fehlschüsse mit Verletzungsfolge für das Tier sind in Graubünden bei Jagd auf Hirsche am häufigsten. Das zeigt die Statistik für 2016: Auf 5440 erlegte Hirsche kamen 564 Hirsche mit einer Schussverletzung.

Anhand von Pirschzeichen wie Blut oder Knochensplitter hatten Hundeführer bei der Nachjagd festgestellt, dass diese Tiere angeschossen worden waren. In 344 Fällen konnte der verletzte Hirsch in der Folge mit Hilfe eines Hundes noch zur Strecke gebracht werden. Die restlichen 220 Nachsuchen verliefen erfolglos.

Aus dem Hobby-Jäger befreiten Kanton Genf weiss man, dass Wildhüter die viel besseren Schützen sind.

Die brutale und tourismusschädigende Volksjagd im Bündnerland ist in den vergangenen Jahren vermehrt in die Kritik geraten. Zwei Volksinitiativen sind immer noch wegen der „Säuhäfeli-Säudeckeli-Mentalität“ der Jagdverantwortlichen bei den Gerichten hängig.

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Schluss mit der Tierquälerei der Jäger

Laut Tierschutzgesetz (Art. 26 TSchG) muss ein “vernünftiger Grund” für das Töten eines Tieres vorliegen – bei der Jagd auf Füchse handelt es sich jedoch lediglich um die Befriedigung eines blutigen Hobbys. Für Füchse gibt es keine rechtliche Abschussplanung.

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