Wisent im Naturpark Thal

Der Wisent, das europäische Gegenstück zum amerikanischen Bison, könnte im Naturpark Thal wieder eine Heimat finden. Die Urrinder gelten in der Schweiz seit rund 1000 Jahren als ausgestorben. Wisentkühe werden etwa 500 bis 600 Kilogramm schwer, Bullen bis zu einer Tonne.

Der Wisent ist das grösste und schwerste Landsäugetier Europas, das die Wälder der Nordwestschweiz bis ins Spätmittelalter bevölkert hat.

Bereits nächstes Jahr sollen 15 bis 20 Wisente im Gebiet Sollmatt in Welschenrohr platziert werden.

Etwa zehn Wildrinder sollen in einem 20 Hektaren grossen Schaugehege nahe eines Bio-Hofes untergebracht werden. Daran angegliedert sollen die restlichen Tiere an der Nordflanke des Juras ein 100 Hektaren grosses Gehege erhalten. Wenn alles nach Plan geht, kümmert sich der Bio-Bauer Benjamin Brunner für eine vorläufige Testphase von zehn Jahren um die Wisente im Thal.

Auf diesem bewaldeten Areal sollen die Tiere auf ihre Auswilderung vorbereitet werden. Ein elektrische Zaun soll etwa nach ein bis zwei Jahren entfernt werden. Man hofft, dass die Tiere danach ein gewisses Heimatgefühl für diesen Standort entwickel haben. Zuerst müssten aber Erfahrungen über das Verhalten der Tiere gesammelt werden. Deshalb werde das Projekt von Forschern begleitet und die Daten laufend ausgewertet.

Bund und Kanton müssen zustimmen

Für die Realisierung des Projekts „Wisent im Thal“ müssen nicht nur Bevölkerung, Forst, Jagd und die Politik ins Boot geholt, sondern auch Bewilligungen bei Kanton und Bund eingeholt werden, wie Reinhard Schnidrig vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) erklärt. Das Bafu wisse, dass im Thal ein Projekt in Vorbereitung sei, habe dieses aber noch nicht einsehen können, erklärt der Leiter Sektion Wildtiere & Waldbiodiversität.

Fest stehe hingegen, dass der Wisent eine in der Schweiz ausgerottete Tierart sei. Für deren Aussiedlung in grossen Gehegen mit Waldanteilen braucht es eine waldrechtliche Bewilligung des Standortkantons. Bei der Freisetzung wird ferner eine Bewilligung nach dem eidgenössischen Jagdgesetz benötigt.

Von Amtes wegen müssen verschiedene Rahmenbedingungen überprüft werden, unter anderem die Verfügbarkeit eines genügend grossen Lebensraums. Finanziert werden soll das 4,4. Mio. Franken teure Projekt durch eine Stiftung sowie mit den jährlichen Einnahmen aus dem Schaugehege in der Höhe von 1,8 Mio. Franken.

Eine wichtige Rolle nimmt dabei Benjamin Brunner ein. Er ist Mitglied der Projektgruppe Wisent Thal, welcher auch Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (Herbetswil), Christina Stauffer und Darius Weber angehören. Als schweizweit erster Wisent-Ranger wäre der Bio-Landwirt nicht nur für die Kommunikation nach Aussen und für die Betreuung der Tiere zuständig, sondern auch für die Aufnahme allfälliger Schäden im Wald. Diese sollen möglichst vollständig abgegolten werden.

Solothurner Bauernverband ist beunruhigt

Das Wisent-Projekt weckt auch Ängste: Einige Bauern befürchten, dass die Tiere das Kulturland beschädigen könnten.

Der Bauernverband stellt sich auf den Standpunkt, dass für die Ansiedlung von Wildtieren, die seit Jahrhunderten in der Region nicht mehr vorkommen, in der dicht besiedelten Nordwestschweiz kein Raum besteht. Ein solches Projekt, in welchem zumindest am Anfang 100 Hektaren eingezäunt werden sollen, widerspricht auch sämtlichen gesetzlichen Regelungen, die von der Landwirtschaft, aber auch von anderen Leuten im Kanton Solothurn, zwingend eingehalten werden müssen.

Es könne nicht sein, dass für die Ansiedlung eines Wildtieres derart grosse Flächen eingezäunt werden und der gesetzlich garantierte Zugang zu Wald und Flur für die Bevölkerung erschwert oder gar verunmöglicht wird. Ein solch weitläufiger Zaun ist auch aufgrund der geltenden Gesetzgebung in der Raumplanung nicht zulässig.

Wissenschaftsmagazin: Ein „Ur-Schweizer» kehrt zurück“ (Audio)

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

2 Kommentare

  1. es wird Zeit, dass in Europa mehr Platz für die Natur und Tiere geschaffen wird. Die Bauern müssen halt umdenken, denn auch sie können von dieser Idee profitieren, wenn dadurch mehr Tourismus entsteht. Und…die Jagd muss eben verboten werden……ganz einfach!!

  2. Eigentlich eine wunderschöne Idee. Nur wird es etwa fünf Jahre dauern und dann schreien die Jäger es gäbe zu viele Wisents, man hat dann Gründe um sie wieder abzuknallen!!

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