Jägerkater: Wolf M75 konnte nicht geschossen werden

M75 ist wohl bereits über alle Berge, mutmassen der St.Galler Jagdverwalter Dominik Thiel und sein Ausserrhoder Kollege Heinz Nigg im St.Galler Tagblatt.

Der Wolf M75 soll 55 Schafe gerissen haben. Wegen «der eindeutigen Schadenslage» und gestützt auf die eidgenössische Jagdverordnung hatten die vier Kantone Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Graubünden und Tessin für den Wolfsrüden befristete Abschussverfügungen erlassen. Appenzell Innerrhoden hatte sich nicht an dieser Aktion beteiligt.

Dabei soll M75 ziemlich keck vorgegangen sein: Vermutlich überwand er Zäune und in Trun im Bündner Oberland eine 113 Zentimeter hohe untere Stalltür – die obere Tür war offen. Prompt avancierte er zum «Problemwolf». Die Jagdverwalter nehmen an, es handle sich bei Wolf M75 um einen jungen Wolf auf Wanderschaft und auf Suche nach einer Wölfin (Wild beim Wild informierte). Viele Jungwölfe verlassen ihre Familie, wenn sie geschlechtsreif sind.

Ein unruhiger Wandergeselle

Der Wolf M75 ist bisher bekannt als unruhiger Wandergeselle. Innert weniger Tage legte der erstmals in Italien identifizierte Wolf viele Kilometer zurück. Wo er sich zurzeit aufhält, ist den Schweizer Jagdvorstehern nicht bekannt.

Inzwischen ist ein Wolf auch in Süddeutschland gesehen geworden. Es könnte sich um M75 handeln. In der Schweiz werden Wölfen ganz bewusst keine Namen gegeben, so die Jäger Dominik Thiel und Heinz Nigg. Das würde Emotionen schüren. Die Wölfe werden absichtlich nummeriert und M für Rüden, W für Wölfinnen vorangestellt. In der Schweiz werden Wildtiere dennoch gelegentlich von der normalen Bevölkerung «getauft». M75 ist «Odin». Es sei reine Spekulation, das dies derselbe Wolf sei, so Heinz Nigg, aber auch «nicht ganz ausgeschlossen».

Update: 12.07.2017

Im Südwesten Baden-Württembergs im Schluchsee wurde am vergangenen Samstag den 8.7.2017 ein toter Wolf geborgen. Bislang ist noch immer unklar, welcher Wolf es ist und woran der Wolf starb. Bei dem toten Wolf sind Verletzungen im Brustbereich festgestellt worden. Eine computertomographische Untersuchung in Berlin soll nun Klarheit bringen. Erste Resultate werden in 2 Wochen erwartet.

Petition für M75

In einer Online-Petition auf der Internetseite Change.org schreibt die Schafhalterin Elisabeth Barbara Sigron aus Schangnau im Kanton Bern: «Bloss: Die Risse in Graubünden und Tessin stammen von Ende Januar und Anfang Februar. In Zürich und wohl auch Thurgau war das Tier im Februar und März. Erst Mitte März gaben aber die Bündner und Tessiner Behörden die Abschussbewilligung. Also zu einem Zeitpunkt, in dem das Tier längst über alle Berge war.» Inzwischen ist Wolf M75 ziemlich sicher «über alle Berge». Darin sind sich der St. Galler Jagdverwalter Dominik Thiel und sein Ausserrhoder Kollege Heinz Nigg einig. In den vier Kantonen gab es keine Wolfsrisse mehr.

Inzwischen haben 7673 Unterstützer die Petition unterzeichnet. Die Bittschrift ging an 14 Organisationen und Personen, darunter Bundesrätin Doris Leuthard, die Gruppe Wolf Schweiz und den WWF Schweiz. Der WWF liess die Beschwerdefrist von 30 Tagen gegen die Abschussbewilligung des Wolfs M75 ungenutzt verstreichen. Er war also ebenfalls für den Abschuss des Rüden gewesen. In der Schweiz hatten sich keine Tierschutzorganisationen gegen den Abschuss von M75 gestellt.

Laut Wolfskonzept des Bundesamts für Umwelt gehört der Wolf zur Fauna. Seine Rückkehr erfolge natürlich. Er wandere von selber ein.

Vorwürfe an Schafhalter

Elisabeth Barbara Sigron hält selber Schafe und wisse, wie man sie schütze. Sigron betreibt in der Bergzone 3 auf 1140 Metern einen Bauernhof. Wolf Odin werde unterstellt, er habe innert 19 Tagen 40 Schafe gerissen. «Nachgewiesen wurden ihm allerdings nur gerade mal drei», schreibt Sigron. Odin werde als Sündenbock für die Unfähigkeit vieler Schafhalter verantwortlich gemacht, über deren Einzäunungen auch eine Katze springen könnte – «für einen Wolf also kein Hindernis». Und: «Von Untergrabungsschutz ist weit und breit nichts zu sehen.» Odin habe nicht nachweisbar den Mindestschaden angerichtet, der seinen Abschuss auf irgendeine Weise rechtfertige, so Sigron.

Der Wolf M75 sei so gut wie unbekannt. Man wisse praktisch nichts über ihn und seine Vorgeschichte. Gleichzeitig sei unklar, ob der Herdenschutz im Tessin gemäss Vorgaben des Bunds umgesetzt worden sei. Es gebe keine Transparenz und daher keine rechtliche Grundlage für den Abschuss. Sigron plädierte auf «in dubio pro reo» – im Zweifel für den Angeklagten. Deutsche Wolfs-Freundinnen übernahmen die Petition und verbreiteten sie in Deutschland.

In der Petition heisst es weiter: «In der Schweiz leben gerade mal 25 bis 30 Wölfe. Dabei wäre in dieser grossartigen Natur Platz für weitere Tiere. Seit dem Jahr 2000 sind 17 Wolfsabschüsse bewilligt worden, neun davon wurden ausgeführt. Naturschutzorganisationen in der Schweiz gehen gegen diese Abschussgenehmigungen vor. Erst kürzlich bestätigte ein Gericht, dass die Abschussgenehmigung auf zwei Jungwölfe des Calandarudels unrechtmässig war. Dennoch werden immer neue Abschüsse genehmigt.»

Das obige Beitragsbild mit dem Wolf M75 wurde von einer Wildhüterin am 23.4.2017 in Flums gemacht und zusammen mit diesem Foto an Wild beim Wild übermittelt.

Wolf M 75 23.4. Flums

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

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