Tauben als Versuchsinstrumente

Medienberichten zufolge werden an der Universität Konstanz derzeit tierquälerische Experimente an Tauben durchgeführt.

Ein Tier, das aus dem Versuch stammt, wurde nun orientierungslos und entkräftet in der Schweiz aufgefunden; es war mit einem Plastikhelm auf dem Kopf sowie einem Peilsender auf dem Rücken ausgestattet und damit erheblich in seinem Seh- und Flugvermögen eingeschränkt. Finanziert wird das aktuelle „Forschungsprojekt“ der Universität Konstanz mit einer Summe von 1,2 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – einer Organisation, die im großen Stil mit Geldern aus der Staatskasse unter anderem Tierversuche an Universitäten unterstützt. In einem offenen Brief fordert die Tierrechtsorganisation PETA nun den Projektleiter der Hochschule Konstanz auf, die tierquälerischen Experimente umgehend einzustellen und künftig auf tierfreie Forschungsmethoden zu setzen.

„Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft führt die Universität Konstanz bereits zum wiederholten Mal tierquälerische Experimente durch – dabei müssen die Verantwortlichen vorab nicht einmal vorgaukeln, dass es Aussicht auf Erfolge gibt“, so Stephanie Kowalski, Tierärztin und Fachreferentin gegen Tierversuche bei PETA. „Zukunftsorientierte und verantwortungsvolle Forschung bedient sich weder rückschrittlicher noch unethischer Tierversuche, sondern setzt auf relevante Fragestellungen und tierfreie Alternativmethoden.“

Im Jahr 2014 standen der DFG zur Finanzierung diverser Projekte – darunter auch Tierversuche – 2,8 Milliarden Euro aus der Staatskasse zur Verfügung. Das aktuelle Experiment an Tauben wird im Rahmen des Reinhart-Koselleck-Projekts mitfinanziert und soll sich mit der „Visualisierung der Antwort des Gehirns auf Magnetrezeption“ beschäftigen – also Aufschluss darüber geben, wie die Tiere das Erdmagnetfeld wahrnehmen. Um den Zuschlag eines Koselleck-Projektes zu erhalten, zählen einzig der Lebenslauf des „Forschers“ sowie die Innovativität seines Projektes – absehbare Erfolgsaussichten als Bürge für das Forschungsvorhaben müssen nicht vorliegen.

Experimente wie das aktuelle an der Universität Konstanz werden nur durchgeführt, weil der Mensch Tauben als „Sportgeräte“ für Wettflüge missbraucht. Von Natur aus gibt es keine sogenannten Brieftauben oder Botentauben – der Mensch nutzt die Treue der Tiere und ihr Orientierungsvermögen aus. Ursprünglich geht diese „Zwangsdressur“ auf die Erforderlichkeiten kriegerischer Auseinandersetzungen zurück; Tauben waren „Tiere im Krieg“. Heutzutage gibt es E-Mails, Telefon und Fax – und damit keinen Anlass, den sensiblen Tieren Leid zuzufügen.

Medienmitteilung Schweizer Tierschutz STS

Durch die Rettung einer völlig erschöpften, orientierungslosen Taube ist der Schweizer Tierschutz STS auf ein tierquälerisches Experiment der Universität Konstanz aufmerksam geworden. Das mit einem Plastikhelm am Kopf und einem Sender am Rücken versehene Tier wurde am vergangenen 2. September bei Mammern im Kanton Thurgau aufgefunden und von Tierschützern in Obhut genommen.

Beim ihrem Auffinden verharrte die Taube unbeweglich am Boden sitzend und wehrte sich gegen das Einfangen nicht. Dieses ungewöhnliche Verhalten verwundert nicht in Anbetracht der tierquälerischen Manipulationen, die dem Vogel zugefügt wurden, bevor er auf den Blindflug entsandt wurde: Der Taube wurde ein Plastikhelm aufgesetzt und mit Schnüren fixiert. Der Helm war so angebracht, dass dem Tier komplett die Sicht genommen wurde und auch die oberen Atemwege zum Teil verdeckt waren.

Dadurch musste die Taube blind fliegen und konnte zudem nicht ausreichend Sauerstoff aufnehmen. Auch wurde damit der für die Orientierung beim Fliegen wichtige Geruchssinn eingeschränkt. Ein ausserdem vor dem Freisetzen in die Nase appliziertes Lokalanästhetikum dürfte zum gänzlichen Verlust des Geruchssinns geführt haben. Am Rücken der Taube war mit doppelseitigem Klettband ein Sender angebracht. Die untere Seite des Klettbands wurde offenbar nach Entfernen der Rückenfedern direkt auf die Haut aufgeklebt. Das Klettband kann ohne grossflächigen, tiefen Gewebeschaden nicht mehr entfernt werden.

Aus Sicht des Schweizer Tierschutz STS liegen hier deutliche Hinweise auf fahrlässiges Handeln der Universität Konstanz vor. Leid, Angst, Schmerz und der mögliche Tod des Tieres wurden billigend in Kauf genommen – für einen höchstwahrscheinlich mehr als zweifelhaften «Erkenntnisgewinn». Das verabscheuungswürdige Freiflug-Experiment sollte die Theorie bestätigen, wonach sich Tauben allein anhand magnetischer Erdstrahlen orientieren können.

Seinen Protest hat der Schweizer Tierschutz STS in einem Schreiben an die zuständige Institutsleitung der Universität Konstanz zum Ausdruck gebracht. Die Taube wird in einer Wildvogelpflegestation betreut und gepflegt. Die Rückgabe des gequälten Tieres an die für den Versuch Verantwortlichen lehnt der STS ab.

Written by Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

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