Bundesrat will den Schutz von Wolf, Bär und anderer geschützter Tierarten lockern

Er schlägt vor, dass der Tierbestand dezimiert werden darf, sofern die Wildtiere grossen Schaden anrichten, Menschen gefährden oder die Artenvielfalt bedrohen.

Probleme gibt es, seit Grossraubtiere Lebensraum in der Schweiz zurückerobern. Vor allem die Tierhalter im Berggebiet haben Mühe mit dem Wolf, da immer wieder Tiere gerissen werden. Bären bereiten vereinzelt Probleme, weil sie die Scheu verlieren und sich Siedlungen nähern. Eine Revision des Jagdgesetzes soll diese Konflikte entschärfen. Der Bundesrat hat am Mittwoch die Vernehmlassung dazu eröffnet.

Neu sollen die Behörden nicht nur einzelne Tiere geschützter Tierarten zum Abschuss freigeben können, sondern die Dezimierung ganzer Bestände erlauben können. Bedingung wäre, dass die Tiere Lebensräume oder die Artenvielfalt bedrohen, Menschen gefährden oder grossen Schaden anrichten, der mit zumutbarem Aufwand nicht abzuwenden ist.

Auch die Zuständigkeiten würden neu verteilt. Heute muss das Bundesamt für Umwelt (BAFU) einen Abschuss bewilligen. In Zukunft würde der Bundesrat jene Tierarten bezeichnen, deren Bestand reguliert werden darf. Der Entscheid, ob die geschützten Tiere tatsächlich erlegt werden dürfen, würde dann bei den Kantonen liegen. Ein konkreter Schaden müsste nicht mehr nachgewiesen werden. Die Population darf durch die Abschüsse jedoch nicht gefährdet werden.

Der Wolf wird im Gesetzesentwurf ausdrücklich erwähnt, obwohl er gemäss Berner Konvention zu den streng geschützten Tierarten gehört. Ausnahmen sind aber möglich im Interesse der öffentlichen Sicherheit oder zur Verhütung ernster Schäden. Der Bundesrat hat bereits 2013 die Zusicherung eingeholt, dass eine Bestandesregulation unter bestimmten Umständen mit dem Abkommen vereinbar wäre.

Mit der Revision des Jagdgesetzes sollen auch die Schonzeiten angepasst werden. Allen einheimischen Arten soll eine Schonzeit gewährt werden, während gebietsfremde Arten wie Damhirsch, Sika und Mufflon ganzjährig gejagt werden dürften. Die Schonzeiten von Wildschwein und Kormoran würden gemäss dem Entwurf gekürzt. Neu unter Schutz stehen würden das Rebhuhn und der Haubentaucher, während die Saatkrähe neu gejagt werden dürfte.

Schliesslich schlägt der Bundesrat eine gewisse Vereinheitlichung bei der Jagdberechtigung vor. Diese wird weiterhin von den Kantonen erteilt und ermöglicht die Ausübung der Jagd in einem Kanton. Voraussetzung ist eine bestandene Jagdprüfung. Die Prüfungsgebiete, Arten- und Lebensraumschutz, Tierschutz sowie Umgang mit Waffen und Treffsicherheit sollen neu inhaltlich vereinheitlicht und von den Kantonen gegenseitig anerkannt werden.

Die Revision ist durch verschiedene Vorstösse aus dem Parlament ausgelöst worden. Darunter sind die Motion Engler, die eine Bestandesregulation verlangt, oder die Motion Fournier, die eine Anpassung der Berner Konvention zum Ziel hat.

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

8 Kommentare

  1. Auf dem gesamten Gebiet der Schweiz leben derzeit, wenn es hoch kommt, ungefähr 40 Wölfe. Der Bär zieht einzeln und selten mal seine Spur in der östlichen Ecke unseres Landes. Sikahrische sind im Kanton Schaffhausen in bescheidener Anzahl Standwild, ein paar weenige leben im Zürcher Unterland. Damhirsche gibt es keine, Mufflons auch keine. Jetzt will unsere Regierung den Schutz von Wolf, Bär und (ich denke Luchs) lockern und Sika-, Dam- und Mufflonwild ausrotten (falls überhaupt einzelne Damhirsche und Mufflons in der Schweiz je vorkommen sollten). Also haben ein paar wenige Lokalpolitiker (Lobbyisten) unsere Regierung dazu bringen können, die Aufhebung des strengen Schutzes der Grossraubtiere und die Vernichtung von Sika-, Dam- und Mufflonwild ins Auge zu fassen. Abscheulich! Dieses Vorhaben muss unter allen Umständen verhindert werden. Als Bürger dieses Landes schäme ich mich von solchen Leuten regiert werden zu müssen. Das Allerschlimmste aber ist: Die Jäger bekommen noch mehr Macht, ihren Tötungstrieb an weiteren, bisher mehrheitlich streng geschtzten Arten, auszuleben. eine Minderheit also, deren abscheuliches Hobby durch die Mehrheit der Bevölkerung dieses Landes keinesfalls goutiert wird. Leider haben unsere Wildtiere aus der Mehrheit der Bevölkerung (fast) keine Lobby, die Vollstrecker des Todesurteils an ihnen aus der Minderheit der Bevölkerung (Politiker/Lobbyisten) schon.

    Karl Meyer

    1. Es gibt Tierarten wie den Sika, die wurden eingeschleppt und gefährden die Waldverjüngung. Sonderbar, dass wir viele „Tieranwälte“ aber keine „Baumanwälte“ haben die für die nachhaltige Verjüngung unserer Eichen, Föhren und Tannen einstehen!

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