EU will mehr Schutz für bedrohte Arten

Mit 21 Initiativen will die Europäische Union einen besseren Schutz für mehr als 50 Tier- und Pflanzenarten erreichen.

Unter anderem soll der internationale Handel mit Berberaffen, Graupapageien und drei Echsen verboten, der Verkauf von verschiedenen Haien, Rochen und Tropenhölzern eingeschränkt werden. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife begrüßt diesen Vorstoß, um bedrohte Wildtiere und -Pflanzen zu bewahren.

löwe

Die EU gab am Dienstag bekannt, welche konkreten Schutzanträge sie beim Sekretariat des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch: CITES) einreicht. Sie setzt sich zudem dafür ein, Exporte von Jagdtrophäen strikter zu kontrollieren, stärker gegen Korruption vorzugehen und seltene Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet besser zu schützen. Über diese und zahlreiche weitere Vorschläge verhandeln die 182 CITES-Vertragsstaaten auf der bedeutendsten internationalen Artenschutzkonferenz, die im September in Johannesburg, Südafrika, stattfindet.

EU ist neues CITES-Mitglied – und prescht voraus

Die EU nimmt als eigenständiges Mitglied erstmals an der Konferenz teil. „Die EU ist ein wichtiger Absatzmarkt für Wildtiere und Pflanzen –  vor allem für exotische Heimtiere ist sie ein zentraler Umschlagplatz. Wir begrüßen, dass die EU als neues Mitglied diese Verantwortung ernst nimmt und zahlreiche wichtige Schutzanträge einreicht. Viele der von der EU vorgeschlagenen Arten brauchen dringend besseren Schutz“, so Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Handel bedroht Wildtiere und -Pflanzen

Sie enden in der Suppe, als exotisches Haustier oder als Möbelstück: Der Handel mit Wildtieren und -pflanzen ist ein weltweit lukratives Geschäft. Viele Arten werden ganz legal ausgebeutet und in alle Welt verkauft. Meist zieht die Staatengemeinschaft die Reißleine erst dann, wenn der Handel die Bestände bereits stark dezimiert hat. Internationale Handelsbeschränkungen und -Verbote sind dann für viele Arten die letzte Rettung.

Lebende Statussymbole: Berberaffen, Graupapageien, Reptilien

Exotische Arten werden zunehmend als Heimtiere gehalten und noch immer wird ein Großteil der gehandelten Wildtiere aus der Natur eingefangen – auch für den EU-Markt. Junge Berberaffen werden in Marokko und Algerien eingefangen und in die EU geschmuggelt. Die Bestände von Graupapageien sind in mindestens elf Ländern alarmierend dezimiert, nun soll der kommerzielle Handel mit Wildfängen verboten werden. „Gerade seltene Reptilien wie der psychedelische Gecko, der türkise Zwerggecko oder die Krokodilechse haben sich zum Statussymbol entwickelt. Für diese drei bedrohten Arten, die in ihrer Heimat bereits beschützt sind, will die EU nun gemeinsam mit den Ursprungsländern ein internationales Handelsverbot erwirken“, berichtet die Biologin Altherr.

Delikatessen und vermeintliche Wundermittel: Haie und Rochen

Vor allem in Asien finden Haiflossensuppe sowie Pillen und Tinkturen aus dem Reusenapparat von Rochen reißenden Absatz. Sie gelten als gesundheitsfördernd und als Wohlstandskonsumgut. Für Preise von mehreren hundert Euro für ein Kilo Rochenreusen und bis zu 100 Euro für eine Schüssel Haiflossensuppe werden die Bestände rücksichtslos abgefischt. Die EU beantragt gemeinsam mit Sri Lanka, den Malediven und den Fidschi-Inseln, den Handel mit Seiden- und Fuchshaien sowie neun Arten Teufelsrochen erstmals zu reglementieren.

Tropenhölzer: den Ausverkauf der Wälder stoppen

Im Kampf gegen die Zerstörung der Tropenwälder beantragt die EU gemeinsam mit Senegal und Gabun den Handel mit vier Arten Rosenhölzern zukünftig auf ein naturverträgliches Niveau zu beschränken. Hiervon würden sowohl Wälder als auch waldbewohnende Arten wie Affen oder Papageien profitieren.

Dauerbrenner Elfenbeinhandel

Die Staatengemeinschaft wird sich in Südafrika auf Antrag anderer CITES-Mitgliedsstaaten außerdem mit vielen weiteren Themen befassen: Dauerbrenner bei den Konferenzen ist die Wilderei auf Elefanten und Nashörner. Kenia will erreichen, den Elfenbeinhandel weltweit zu verbieten. Erwartet werden auch Anträge zum Schutz von Afrikanischen Löwen, Schuppentieren und Perlbooten. Frist für die Einreichung von Anträgen ist der 27. April.

Bedroht ist nicht gleich geschützt

Der Handel mit Wildtieren kann Raubbau und drohende Ausrottung bedeuten, auch wenn er legal stattfindet. Selbst viele stark gefährdete Arten dürfen noch gehandelt werden. Meist können die Behörden erst dann einschreiten, nachdem CITES den Handel international verbietet oder einschränkt. Die CITES-Konferenz findet alle zwei bis drei Jahre statt. Der nächste Termin ist in Johannesburg, vom 24. September bis zum 5. Oktober. Pro Wildlife hat an mehreren der eingereichten Schutzanträge mitgewirkt.

Links:

Pressemitteilung der EU und Anträge
CITES-Website

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

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