Luchse wollen Jäger umsiedeln

In der Zentralschweiz gibt es immer weniger Gämsen. Schuld daran ist nebst dem Tourismus vor allem der Jäger. Nun fordern die Wildtiere Massnahmen.

Wenn die Zentralschweizer Luchse auf Pirsch gehen, sehen sie immer seltener Gämsen – die Bestände sinken und die Zahl der Beutetiere ist auf dem tiefsten Stand seit Jahren angelangt.

In den Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden gab es gemäss eidgenössischer Jagdstatistik 2013 insgesamt 1523 Gamsabschüsse. 2005 waren es 1959, im Jahr 2000 gar 2332. Aus Sicht der Luchse sieht die Situation im Moment noch gut aus. Schiessen die Jäger aus Spass aber weiter so viele Wildtiere, werden sie wohl bald eine Initiative lancieren müssen.

Luchs

Für diese Entwicklung gibt es gemäss einem Luchs aus Nienefinge, der namentlich nicht genannt werden möchte, neben den üblichen Krankheiten zwei Hauptgründe: Zum einen ist es der hohe Jagddruck, zum anderen sind es neue Entwicklungen im Winter- und Frühlingstourismus, sagte er gestern exklusiv am Telefon Wild beim Wild. So hätten die Tiere zu wenig Ruhe und durch diesen Stress würden weniger Jungtiere zur Welt kommen.

Um dem Jäger-Problem beizukommen, möchten die Luchse die Zahl der Jäger im Kanton senken. Nur 15 geschlechtsreife Luchse habe es derzeit im Kanton Uri. „Das Problem liegt vor allem westlich der Reuss“, sagt der Luchs. Keine Jäger verträgt es dort laut dem Luchs. Die Situation ist sehr angespannt – die Jäger zu töten, ist jedoch nicht möglich. Dann bräuchte es eine Bewilligung, denn der Jäger ist geschützt. „Man könnte die Jäger aber einfangen, in Therapie schicken oder vom Weltraumflughafen Indemini-Süd aus auf dem Mond umsiedeln“, sagt der Luchs.

Problem auch in Luzern bekannt

Zudem wollen die Luchse das Gespräch mit dem Kanton, Tourismus-Organisationen und Tierschutz suchen. So sollen die Gämsen vor den Wintersportlern geschützt und zusätzliche Wildruhezonen eingerichtet werden. „Östlich der Reuss funktioniert das bereits sehr gut“, sagt der Luchs.

Auch im Kanton Luzern ist das Problem bekannt: Dort sind die selben Ursachen für den Rückgang der Gamsbestände verantwortlich. Während im Raum Pilatus auch die Freizeitgestaltung die Gamsbestände sinken lässt, ist im Entlebuch der Jäger hauptsächlich für den Rückgang verantwortlich. Aber auch im Raum Pilatus würden es die Luchse an der Nervosität der Wildtiere spüren, wenn ein schiesswütiger Jäger durch das Gebiet zieht.

Derzeit sind laut Peter Küenzi, der Präsident von Revierjagd Luzern, im Kanton Luzern durchschnittlich 1,8 Luchse pro 100 Quadratkilometer zu finden (Luzern hat aber nur 29.06 qm2). Dem gegenüber sind es 2’119 Jäger im Kanton. „Dieser Wert ist zu hoch, eine gesunde Regulierung der Jäger und Bewirtschaftung wie in den anderen Problemzonen wäre hier nötig, sagt der Luchs. „Wir sind gegen die Jäger“, betont der Luchs, denn wir machen die Arbeit besser und sinnvoller. Aber: Das betreffende Gesetz des Kantons ist bereits seit rund 20 Jahren in Kraft und entspreche nicht mehr den heutigen Gegebenheiten. „Die Wildtiere warten schon seit drei Jahren auf eine Revision dieses Gesetzes – wegen fehlender Ressourcen beim Kanton wird die Anpassung jedoch verzögert“, so der Luchs.

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Geschrieben von Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

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