Genf Jagdverbot

Der schöne Kanton Genf hat seit dem 19. Mai 1974 ein Jagdverbot für Hobby-Jäger.

Das Jagdverbot in Genf war eine Sensation und erregte auch weit über den Kanton hinaus grosse Aufmerksamkeit. Für die Jagdwelt war es ein Schock – und ist es bis heute. Denn das Beispiel Genf beweist, dass es – auch in der dicht besiedelten Kulturlandschaft – ohne Jäger geht, ja, dass es Natur und Tieren sogar viel besser geht und dass auch die Menschen davon profitieren.

Aufgrund des hohen Jagddrucks im umliegenden Frankreich und Kanton Waadt suchen Wildtiere sogar Asyl in Genf. Die gejagten Tiere schwimmen teilweise über die Rhône in den Kanton Genf. Die Wildtiere werden von etwa einem Dutzend professionellen Umwelthüter betreut (Kosten 600’000 pro Jahr). Diese Naturschützer erledigen auch eine Vielzahl von anderen Aufgaben wie, Überwachung der Fischerei, die Kontrolle der Naturreservate, Wildschadenverhütung sowie besondere Aufgaben bezüglich des Waldes und der Landwirtschaft. Dafür teilen sie sich knapp 3 Vollzeitstellen.

Würden wieder zweifelhafte Amateure im Wildtiermanagement tätig, wären die Kosten auch nicht tiefer, da die ja wie in den anderen Kantonen intensiv betreut und kontrolliert werden müssten.

Von 280 Quadratkilometern Gesamtfläche verfügt der mit 500.000 Einwohnern dicht besiedelte Kanton Genf über 30 Quadratkilometer Wald und 110 Quadratkilometer Feldflur. Prozentual ausgedrückt: 45 Prozent des Kantons werden landwirtschaftlich genutzt, 25 Prozent sind bebaut, 15 Prozent bestehen aus Wald und Fluss, weitere 15 Prozent nimmt der Genfer See ein.

Die Wildschäden für die Landwirtschaft seien praktisch unbedeutend, meint der Umwelthüter Gottlieb Dandliker. Der Kanton gebe 250.000 Franken pro Jahr für Prävention aus, dazu 350.000 Franken pro Jahr für Wildschäden, wofür mehrheitlich die Tauben verantwortlich sind. Insgesamt müsse der Kanton 1,2 Millionen Franken pro Jahr für das Wildtiermanagement aufbringen, das entspreche einer Tasse Kaffee pro EinwohnerIn, oder einer Subvention der Landwirtschaft von etwas über 3 %. Im Vergleich dazu würde die Fischerei wesentlich mehr Kosten verschlingen, obwohl da Lizenzen verkauft werden. Dandliker sieht daher die momentane Methode als die billigste Alternative für den Kanton und sehr leicht auf lange Sicht finanziell tragbar.

Für die Dezimierung der Wildschweine wird rund 1 Vollzeitstelle aufgewendet oder im Schnitt 1’621 Stunden. Am meisten werden Jungtiere geschossen (rund 80 %). Die Wildschweinschäden an den Kulturen wurden 2014 mit 17’830 (45’000) Franken beziffert. Auffallend ist, dass praktisch keine Forstschäden gemeldet werden. Die Schadenszahlen im Kanton Genf sind vergleichbar mit denen von Schaffhausen 50’130 (58’870) – obwohl in Schaffhausen die Jagd erlaubt ist. Während der Jagdsaison in Frankreich und Kanton Waadt gibt es mehr Wildschweine und andere Wildtiere in Genf. Viele Wildtiere bleiben dauerhaft. Wildschweine können auf Feldern die landwirtschaftlich genutzt werden, grosse Schäden anrichten. Jährlich wurden in den letzten 10 Jahren rund 327 Wildschweine in Genf erschossen. Seit dem Jagdverbot 1974 sind es im Schnitt rund 125. Im Jahr 2014 176 (194) Exemplare. 1974 waren die Wildschweine seit Jahrzehnten im Kanton Genf von Jäger ausgerottet, nebst anderen Tierarten.

Nachtzielgeräte werden heute in verschiedenen Kantone (Zürich, St. Gallen, Thurgau, Aargau) verwendet und der Kanton Genf war dafür Vorbild. Dabei wird die Treffsicherheit erhöht und die Tiere müssen weniger Leiden. Auch Zielfernrohre sind früher umstritten gewesen und heute etabliert.

„Diese Regulation erfolgt ausschließlich durch Wildhüter, es werden keine Amateurjäger einbezogen“, so Gottlieb Dandliker. Für diese „Gardes de l’environnement“ spielen Sicherheit, Ethik und Tierschutz eine große Rolle: „Wir können uns nicht einen einzigen Unfall leisten.“ Tierschutz bedeutet vor allem die Vermeidung von angeschossenen Tieren. „Das passiert massenweise in der Umgebung, im Waadtland, in Frankreich. Da werden Treibjagden gemacht, die Tiere werden angeschossen, man findet sie oder findet sie nicht – oder erst eine Woche später“, berichtet der Faunainspektor. „Stresssituationen wie bei Treibjagden – wo die Tiere wissen: das war eine ganz furchtbare Sache – gibt es bei unserer Regulation nicht.“ Führende Bachen werden nicht geschossen – aus ethischen Gründen. Denn wenn die säugende Mutter fehlt, sterben die Kleinen. Auch die Leitbachen und die großen Eber werden nicht geschossen. „Dadurch erhoffen wir uns eine Stabilität in der Rotte und im Verhalten der Tiere“, erklärt Dandliker. „Wir haben hier regelmäßig Gruppen von Wildschweinwaisen von der französischen Jagd, die ihre Mutter verloren haben und in die Dörfer kommen.« Solche führungslose Frischlinge können natürlich grosse Schäden verursachen. Und es ist bekannt, dass sich Wildschweine nach Abschuss der Leitbache unkontrolliert vermehren.

Schade, dass in Genf Geburtenkontrolle wie die Immunokontrazeption noch nicht zur Anwendung kommt, damit das leidige Abschiessen von Lebewesen zu einem Abschluss käme. Geburtenkontrolle statt Massenmord! Für Markierungen, Sender, Wildtierforschung usw. hat es immer finanzielle Mittel, aber für eine nachhaltige Stabilisierung der Bestände scheinbar nicht.

Die sanitarischen (therapeutischen) Abschüsse sind ein Schritt in die richtige Richtung – Leben und Leben lassen. Sanitarische Abschüsse sind nicht das Gleiche, wie eine regulatorische Bejagung anhand einer jägerischen Müllbiologie und falsch verstandener Naturerfahrung.

So werden in Genf pro Jahr im Schnitt ein paar Hundert Tiere von Profis erschossen, während es weit über 100’000 Wildtiere (die zum Teil von Amateuren nur schwer verletzt werden und tagelang in den Tod leiden müssen) in den übrigen Kantone sind.

Es ist sehr beschämend – eine Unkultur – für die Schweiz, dass Kantonsbehörden zum Spass für die Jäger attraktive Jagden organisieren, wie die Trophäenjagd, und über derartiges Blutgeld Einnahmen generieren. Das Leid und Schmerzen welches so verursacht wird, ist reine Tierquälerei.

Jagd-Schweiz weiss, dass sich die Wildtierbestände grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selber regulieren würden. – Dachverband JagdSchweiz 2011

Die Genfer leben gut mit dem Jagdverbot. 2004 machte das Institut Erasm eine Umfrage in der Bevölkerung. Knapp 90 % waren dagegen, dass Lustmörder ihrem blutigen Hobby wieder nachgehen dürfen. 2009 kam es im Kantonsrat zu einem Vorstoss, um über die Wiedereinführung der Jagd abzustimmen. Mit 71 zu 5 bei 6 Enthaltungen wurde dem klar eine Abfuhr erteilt. Vor dem Jagdverbot 1974 wurden rund 420 Jagdpatente pro Jahr verkauft und 7 Umwelthüter waren aktiv.

genf

2011 wurde in Genf z. B. kein Rothirsch, Reh, Rotfuchs, Dachs, Marder, Feldhase usw. erschossen, laut der eidg. Jagdstatistik. Genf erfreut sich im Gegensatz zu anderen Kantonen noch sehr guter Hasenbestände.

Da Genf einen Flughafen hat, werden im Rahmen der öffentlichen Sicherheit, Vögel geschossen. Daneben gibt es auch von den Behörden bewilligte Abschüsse auf Vögel für die Bahn und wenige Bauern.

Wenn man sich wirklich mit der Biodiversität in der Heimat auseinandersetzen will, ist Genf eine vorbildliche Erfolgsgeschichte, welche im In- und Ausland Beachtung findet.

Als Spaziergänger sieht man regelmässig Wildtiere wie der Feldhase rumhoppeln oder kann den Biber beobachten. Nie ist die Biodiversität grösser, als nach der Vertreibung der Jäger. Genf hat aktuell einen stabilen Huftierbestand von rund 100 Rothirsche und 330 Rehe. Dieser Kanton kann und muss ein Modell für andere Regionen sein.

Das Genfergebiet hat heute eine internationale Bedeutung für den Vogelschutz. Demnach ist dieser für den Vogelschutz zuvor wenig bedeutsame Gewässerabschnitt ein bedeutsames Biotop für überwinternde Tafel- und Reiherenten, Hauben- und Zwergtaucher, Pfeif-, Schnatter-, Krick- und Stockenten. Auch für den Gänsesäger sind die Gewässer im Kanton Genf ein wichtiges Brut- und Überwinterungsgebiet. Die Zahl der winternden Wasservögel auf Kantonsgebiet hat sich über die Jahre vervielfacht. Die Diversität unter den Entenpopulationen ist beeindruckend. Und bezüglich des Kleinwildes zählt die Hasendichte im Kanton Genf zu den Schweizer Spitzenreitern. Zudem ist Genf einer der letzten Bastionen für Wildkaninchen und Rebhühnern auf Schweizer Boden.

Genf ist ein Pionier-Kanton: 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen sind ökologische Kompensation, also qualitativ hochwertiger für die Biodiversität. Davon profitieren auch Rebhühner, Greifvögel und Beutegreifer wie Marder und Fuchs.

„Greiftiere sind breit vorhanden, führen aber zu keinem Problem“, so der Faunainspektor. „Wir regulieren keine Füchse, Marder oder Dachse.“ Im Sommer wurde ein junger Luchs – ein Waisentier aus dem Kanton Waadt – in Genf freigelassen. Offenbar war zu befürchten, dass das Jungtier ansonsten abgeschossen würde.

Im Schweizer Nationalpark im Engadin wird sogar seit 100 Jahren nicht mehr gejagt und dort ist z. B. der Gämsen Bestand seit 1920 konstant um die 1350 Stück. Der Fuchs wird auch nicht gejagt. Entgegen der Prognosen aus Jägerkreisen ist keines seiner Beutetiere ausgestorben. Der Wechsel von der Weide für Kühe und Schafe zur Hirschweide führte zu einer komplett neuen Artenzusammensetzung der Vegetation und einer Verdoppelung der Artenvielfalt!

Auch ohne Jagd habe es nicht plötzlich zu viele Füchse, Hasen oder Vögel. Die Erfahrung zeige, die Natur könne man sich selber überlassen. – Nationalparkdirektor und Wildbiologe Heinrich Haller

Weitere Infos: Das Genfer Jagdverbot

Written by Wild beim Wild

Jagdgegner wird man nicht aus Langeweile, sondern aus Kenntnis dieser Tierquälerei.

2 comments

  1. Sorry, hier wird manipulativ argumentiert und Fakten teilweisen unter den Tisch gekehrt:
    – In der eidgenössischen Jagdstatistik werden Abschüsse durch Wildhüter als „Spezialabschüsse geführt“
    – Zwar gab es im Jahr 2011 keine Spezialabschüsse im Kanton Genf von Rothirsch, Reh, Fuchs und Dachs, wohl aber von Schwarzwild. Ebenso gab es Spezialabschüsse von Reh, Fuchs, Dachs, Schwarzwild und Steinmader in anderen Jahren
    Hier werden also gezielt Fakten verschwiegen, um ein falsches Bild von der Wirklichkeit zu zeichnen. Damit ist schon genug zur Glaubwürdigkeit von „Wild beim Wild gesagt“.

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  2. Wie vermessen und verbohrt muss man sein dass man den kleinsten Kanton als Beispiel heranzieht mit Rind 500 wildlebenden Huftieren. Der Kanton Graubünden mit rund 60000 ist da wohl ein etwas anderes Kaliber. Und wenn im Winter Massensterben sind, sind die Tierschützer die ersten die etwas unternehmen wollen. Und wieviele Biker den Wildtieren in die Wintereinstände eindringen, wird von euch nicht geschrieben, weil viele davon in euerm Verein sind. DS gäbe es noch ganz viel aufzuzählen, stösst bei euch aber leider auf taube Ohren.

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